Mitten im Zweiten Weltkrieg, im Juli 1941, weigert sich ein deutscher Soldat in einer Stadt nahe Belgrad, von der Wehrmacht gefangene Partisanen zu erschießen, und wird daraufhin selbst erschossen. Es gibt Augenzeugen, und nach dem Krieg wird der deutsche Befehlsverweigerer Josef Schulz in Jugoslawien zum Volkshelden. Warum aber weiß man in Deutschland nichts von diesem einmaligen Ereignis? Martens rekonstruiert eine unglaubliche Geschichte, die mit dem Tod von Schulz erst beginnt und ihn durch halb Europa, nach Wien, Berlin, Brüssel und bis in die Gegenwart führt. Am Ende stellt sich heraus, dass der Vorfall keineswegs unbekannt, jedoch ein Mythos ist.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Rundschau, 30.11.2011
Für Rezensent Ulrich Seidler ist Michael Martens Erzählung "Heldensuche" einfach ein "erzählerisches Meisterstück". Mit Neugier und "berauschender Großzügigkeit" habe der FAZ-Korrespondent zahlreiche Fakten gesammelt, um die angebliche Heldenlegende des Soldaten Josef Schulz zu entzaubern. Jener habe sich am 20. Juli 1941 dem Befehl widersetzt, in einem Dorf südlich von Belgrad einen jugoslawischen Partisanen zu erschießen und sei daraufhin selbst erschossen worden. Nicht nur in Deutschland sei Schulz als Held und Vorbild gefeiert worden, so Seidler, sondern vor allem in Jugoslawien, wo ihm neben Verfilmungen ein von dem ehemaligen Präsidenten Tito in Auftrag gegebenes Denkmal gewidmet worden sei. Allerdings, so der Kritiker, habe sich im Zuge deutscher Recherchen bereits 1968 herausgestellt, dass jener Josef Schulz zum Zeitpunkt seiner angeblichen Heldentat schon 24 Stunden tot war. Mit großer Bewunderung liest der Rezensent, wie Martens immer neue Wege einschlägt und Zusammenhänge herstellt, um aufzuzeigen, wie legendenbildende Mechanismen die Deutung der Geschichte beeinflussen können.
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 14.09.2011
Den "Fall Schulz"beschreibt Michael Martens nicht nur als Enthüllung einer falschen Heldengeschichte, sondern auch als Beispiel für die gegensätzlichen Interessen von Politik und Justiz bei der deutschen "Vergangenheitsbewältigung". Das ist eine große Leistung und Ergebnis detaillierter Rercherche, lobt Andreas Ernst. Der Gefreite Josef Schulz soll wegen Befehlsverweigerung bei einer Partisanenerschießung in Jugoslawien selbst hingerichtet worden sein. Diese Geschichte stellte sich schon in den siebziger Jahren als falsch heraus, und Michael Martens gelinge es eindrucksvoll zu schildern, wie dieser Mythos ganz unterschiedlichen Interessen diente, findet Ernst. Vor allem stützte er die so beliebte These, nach der erschossen wurde, wer nicht schießen wollte (wogegen die Justiz in den Sechzigern oft vergeblich argumentierte). Die Politik benutzte Schulz' angeblich heroischen Tod als Vorlage für die neu zu knüpfende Völkerfreundschaft mit Jugoslawien. Andreas Ernst bewundert, wie genau Martens all diese gegensätzlichen Verstrickungen aufdeckt und damit auch den Einfluss von Geschichten auf Geschichtsbilder kommentiert.
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