Fritz Mauthners monumentale Geschichte des abendländischen Atheismus spannt einen Bogen von der europäischen Antike über Teufelsfurcht und Aufklärung im sogenannten Mittelalter, die Entstehung der Wissenschaften zu Beginn der Neuzeit bis hin zum Materialismus des 19. Jahrhunderts. Geschrieben in den Jahren 1920 bis 1923, ist Mauthners Werk eine fast einzigartige Kulturgeschichte des Abendlandes vom Standpunkt der religiösen Befreiung. Fritz Mauthner (1849-1923) ging insbesondere als radikaler Kritiker der Sprache in die Geistesgeschichte ein. Bereits sein dreibändiges Werk Beiträge zur Kritik der Sprache (1901/1902) bediente sich einer antimetaphysischen Grundhaltung, die in seiner Geschichte des Atheismus noch einmal verschärft wird. Mauthners Ansatz ist dabei die Befreiung vom Gottesbegriff. Neben den rein negierenden Atheisten werden deshalb auch die Lehrer der Vernunft- oder Naturreligion, die Deisten und die Pantheisten, ebenso einige Reformatoren und andere Ketzer dargestellt: kurz, viele, die zur Befreiung vom "Gotteswahn" beigetragen haben und von anderen Geschichten des Atheismus nicht oder zu knapp behandelt werden.
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 30.11.2011
Rezensent Bernhard Lang freut sich über die von Ludger Lütkehaus "schön" gestaltete und mit einem klugen Vorwort versehene Neuausgabe von Fritz Mauthners Atheismus-Darstellung. Auch wenn der Kritiker seine Fachkenntnisse über die Geschichte des atheistischen Denkens heute nicht mehr von Mauthner beziehen würde - hier rät er eher zur Lektüre von Herman Ley oder George Minois - würdigt er dessen Werk als brillant geschriebenes Zeugnis europäischer Geistesgeschichte zwischen 1850 und 1930. Viel Platz räumt Mauthner dabei seinem Lieblingsautor Gottfried Keller ein, erfahren wir. Während der Kritiker den Autor vor allem für seine "gescheite", nie einseitige Beurteilung der Religion schätzt, kommt ihm Mauthners eigene Philosophie einer "gottlosen Mystik" eher undurchsichtig vor.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 29.08.2011
Freudig begrüßt Ursula Pia Jauch die nun vorliegende vollständige Neuauflage von Fritz Mauthners opus magnum "Der Atheismus und seine Geschichte im Abendlande" von 1920. Das Mammutwerk hat für sie all das, was sie an so vielen Ideengeschichten heute vermisst: profunde Kenntnis der Materie, Genauigkeit, eine glänzende Sprache voll "ironischem Tiefsinn" sowie ein sicheres Urteil. Zudem lobt sie die Sorgfalt der vorliegenden Neuausgabe. Dass Mauthners umfassende Geschichte der europäischen Freidenker, Abweichler, Kritiker, Exzentriker und Ketzer jetzt wieder zu haben ist, ist für Jauch die "Frohbotschaft" für alle Freunde des freien Denkens.
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