Die Frage, ob die Menschenwürde absolut gilt oder abwägungsfähig ist, wird von Nils Teifke unter Berücksichtigung der Rechtsprechung des Bundesverfassungsgerichts durch eine prinzipientheoretische Analyse der Struktur der Menschenwürdenorm des Grundgesetzes untersucht. Das Prinzip Menschenwürde gilt, so der Autor, nur scheinbar absolut. Der Eindruck der Absolutheit entsteht dadurch, dass die Menschenwürde aufgrund eines engen Eingriffsbegriffs einen engen Tatbestand hat und ein alle anderen Prinzipien überragendes hohes abstraktes Gewicht aufweist, das aus der Absolutheit der Menschenwürde als Rechtsidee folgt. Die Positivierung der Menschenwürde als unmittelbar geltendes Recht bedeutet aber den Verlust des moralisch Absoluten in der Rechtswirklichkeit. Die Verwobenheit von Absolutheit und Relativität im Begriff der Menschenwürde kommt in der Theorie der Menschenwürde zum Ausdruck, die Nils Teifke im abschließenden Teil entwirft.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 09.08.2011
Dankbar für die Dissertation von Nils Teifke zeigt sich Rezensentin Alexandra Kemmerer aufgrund Teifkes konstruktiver Überbrückung des Doppelcharakters der Menschenwürde, als relativem Rechtsbegriff einerseits, als absoluter Rechtsidee andererseits. Kemmerer erkennt in der Studie sowohl die Prinzipientheorie von Teifkes Lehrer Robert Alexy als auch die Vorstellung von Recht als Wirklichkeit eines Gustav Radbruch wieder, weiß aber auch um die Eigenständigkeit von Teifkes Strukturanalyse anhand ausgewählter Urteile und lobt seinen Stil als konzise und elegant. Das Ergebnis der Studie, das die Menschenwürde als Wertmaßstab der Rechtswirklichkeit bestätigt, findet sie außerdem überzeugend.
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