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Ryszard Kapuscinski
Die Erde ist ein gewalttätiges Paradies
Reportagen, Essays, Interviews aus vierzig Jahren
Klappentext
Aus dem Polnischen von Martin Pollack, Renate Schmidgall und Edith Heller. Seit mehr als vierzig Jahren reist Ryszard Kapuscinski um die Welt, wohl nur wenige haben so viel von ihr gesehen wie der sagenumwobene Schriftsteller aus Polen - und auch sein Werk ist ein weitläufiger literarischer Kontinent. Kapuscinski schrieb große Reportagen aus Afrika, Asien, Lateinamerika und Europa, eine umfassende Studie über Glanz und Zerfall des sojwetischen Imperiums, ein packendes Buch über die Mechanismen des Bürgerkriegs, ein großes Panorama Afrikas. Seine Werke sind zeitlose Studien der Macht und literarische Meisterwerke gleichermaßen. Frank Berberich hat diesen literarischen Kontinent in seiner ganzen Tiefe erschlossen, quer durch alle Genres und Erdteile. In seiner Auswahl bietet er neben den berühmtesten Texten auch eine Reihe brillanter Stücke aus den Nebenwerken. Ein Interview, in dem Kapuscinski über sein eigenes Schreiben Auskunft gibt, sowie in Deutschland noch unbekannte Texte und Fotografien Kapuscinskis den Band ab.
Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 01.03.2001
Hans-Jürgen Heinrichs stellt zwei Bücher des polnischen Reporters Ryszard Kapuscinski vor, die er mit einem liebevollen Porträt des Autors verknüpft. Kapuscinski sei ein ungewöhnlicher Reporter, schreibt er, einer, der "aus der Nähe zu anderen Menschen denken" könne. Wichtig sei ihm vor allem, das "Pulsierende" der Wirklichkeit einzufangen, weshalb seine Texte zwischen Epos, Bericht, Impression, Dialog, Essay und Roman pendelten.
1) "Die Welt im Notizbuch" (Eichborn)
In diesem Buch beobachtet Heinrichs einen neuen Schwerpunkt Kapuscinskis: hier handelt es nicht um eine Reportage im klassischen Sinn. Der Text sei eher eine Introspektion, eine Selbsterforschung und Reflexion alltäglicher Verläufe in der Fremde, erklärt der Rezensent. Besonders gefallen ihm die fantastischen Elemente in diesem Buch, die Geschichte von `Einem Tag der Welt` beispielsweise, wo deutlich werde, wie wichtig die Poesie für diesen "Autor von Reportagen, die den Tag überdauern", ist.
2) "Die Erde ist ein gewalttätiges Paradies" (Eichborn)
Dieses Buch ist eine Zusammenstellung von Reportagen, Essays und Interviews, die zum großen Teil aus früheren Büchern des Autors stammen, so Heinrichs. Durch die vorliegende Auswahl entstehe "ein Bild vom Werdegang des in einer armen polnischen Provinz geborenen und sich in andere Welten entwerfenden Mannes". Seine Affinität zum Kampf der Menschen in der Dritten Welt begründe sich durch die Kindheitserfahrung des Autors, erklärt der Rezensent. Auch Kapuscinski habe Mittellosigkeit, Hass, und Krieg erlebt, was ihn für sein weiteres Leben und Arbeiten geprägt habe.
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Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 14.10.2000
Ein bischen "enttäuscht" werden die sein, die das bisherige Werk des Autors schon kennen, meint Elke Schubert, denn es ist viel Bekanntes hier nachgedruckt. Um so mehr widmet sich die Rezensentin dem, was an Neuem geboten wird. Zum ersten sind da die Reportagen aus der "Dritten Welt Europas" und einige biografische Stücke aus der damals polnischen Geburtsstadt des Autors, Pinsk. Ihnen hat sie entnommen, wie sehr die Solidarität mit den Armen der Welt seiner eigenen Grunderfahrung zu danken ist. Seine Reportage aus den Tagen der Streiks in Danzig und Stettin, den Anfängen von Solidarnosc, schreibt sie, macht begreiflich, welches Gefühl des Aufbruchs dort entstand und warum es nicht mehr wirklich zu zerstören war, selbst nicht durch das Kriegsrecht. Und man versteht auch erstmals, schreibt Schubert, wie es dem Autor gelang, in realsozialistischen Zeiten so unzensiert zu schreiben, - indem er nämlich in Ländern der Dritten Welt die Augen auf machte und schrieb, was man in Polen auch als Sicht auf polnische Verhältnisse verstehen konnte. Ideal für neue Kapuscinski-Fans, urteilt Elke Schubert.
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