Von November 2009 bis Mai 2011 stand John (Iwan) Demjanjuk vor dem Landgericht München II - angeklagt der 27.900-fachen Beihilfe zum Mord, begangen 1943 im Vernichtungslager Sobibor. War der in einem Kriegsgefangenenlager rekrutierte Trawniki-Mann unbeteiligter Wachsoldat, williger Handlanger der SS oder Mörder aus eigenem Antrieb? Angelika Benz hat den Prozess von Anfang bis Ende beobachtet. Sie rekonstruiert die Verhandlungen, porträtiert Angeklagten, Richter, Staatsanwalt, Verteidiger und Nebenkläger und stellt die historischen Hintergründe dar. Momentaufnahmen aus dem Gerichtssaal geben einen präzisen Einblick in den Prozessalltag.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 27.06.2011
Einen kritischen Blick auf die Arbeit der Juristen attestiert Rezensent Robert Probst der Historikern Angelika Benz in ihrem Buch über den Prozess gegen John Demjanjuk in München. Deutlich wird seines Erachtens nicht nur die unüberschaubare Komplexität dieses Prozesses, sondern auch, wie unterschiedlich die Wahrheitssuche bei Juristen und Historiker sein kann. So schildere Benz den Gerichtssaal als eine "Bühne der Eitelkeiten", den Prozess als einen Streit zwischen den Parteien, bei dem jeder nur gewinnen will. Er unterstreicht das Interesse der Autorin an den Motiven und Handlungsspielräumen des Angeklagten. Etwas bedauerlich findet er, dass Benz' historische Einordnung der Geschehnisse während der NS-Zeit und ihre Prozessbeschreibung etwas auseinanderfallen. Auch berichtet sie für seinen Geschmack zu oft vom Streit zwischen Richtern, Nebenklage und Verteidiger. Nichtsdestoweniger scheint ihm das Buch verdienstvoll, beschreibt es doch detailliert den Prozessalltag.
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