General Terekov steht an der Schranke des Lagers Pavshino, fünf Autostunden von Wien entfernt, im Ländereck der Slowakei, Ungarn und der Ukraine und beobachtet für 150 Euro im Monat seine Schützlinge. Auf einem stacheldrahtumzäunten Feld spielen Inder gegen Pakistani Kricket. Seit der Ausweitung der Schengengrenze 2007 ist es ein Auffanglager für jene, die bei dem Versuch, illegal in den EU-Raum zu gelangen, geschnappt wurden. Florian Klenk berichtet, lakonisch und immer hart am Thema, von Kriegsflüchtlingen, internationalem Mädchenhandel oder von den Methoden verdeckter Drogenermittler. Seine investigativen Reportagen gehen an die Grenze des Vorstellbaren.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 24.11.2011
Karl-Markus Gauß würdigt den Investigativreporter Florian Klenk als herausragende österreichische "Institution", der in seinen wöchentlichen Reportagen für den Wiener "Falter" in seinen Augen nichts weniger als ein Bollwerk der "demokratischen Gesellschaft" darstellt. Dreizehn seiner wichtigsten Reportagen sind nun in diesem Band versammelt und der Rezensent ist ziemlich erschüttert ob der Beispiele menschenverachtenden Verhaltens von Staatsorganen oder Presse, die der Autor hier aufdeckt. Dabei bringt Klenk seine Berichte vom Umgang mit illegalen Einwanderern oder der Erschießung eines 14-jährigen Einbrechers in vermeintlicher Notwehr durch einen Polizisten in gemessenem Ton wenn auch nicht unberührt vor, stellt Gauß eingenommen fest. Dass sich der Autor dabei auch noch stilsicher zeigt und es sich verkneift, seine Leser explizit auf die Moral seiner unglaublichen Enthüllungen zu stoßen, lobt der Rezensent besonders.
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 05.05.2011
Fast wünschte sich Georg Renöckl, dass Florian Klenk in seinen Reportagen für den Wiener "Falter", die jetzt gesammelt vorliegen, die Wirklichkeit drastisch überzeichnet hat. Aber er muss davon ausgehen, dass die Beobachtungen, die der Autor - dem Ruf nach ein "exzellenter Enthüllungsjournalist - in seinen Reportagen über den ehemals durch den Eisernen Vorhang abgeschirmten Grenzbereich in Österreich, ziemlich realistisch sind. Was der Rezensent über ehemalige Grenzdörfer, die sich nach dem Ende der Sowjetunion zu Bordellen wandeln, oder den Umgang mit illegalen Einwanderern erfährt, findet er dann auch ziemlich aufrüttelnd. Dass sich dieser Band dennoch kurzweilig liest, liegt am lakonischen und manchmal richtig komischen Ton, den der Autor anschlägt. Und das tröstet Renöckl auch darüber hinweg, dass die Texte mitunter doch recht knapp gestrickt sind, was er ihrem Zweck als "Falter"-Reportagen geschuldet sieht.
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