Weil er von der Kirche nicht so viel hält, spricht der Satiriker und Schriftsteller Richard C. Kähler auch nie mit seiner Tochter über Religion. Wenn mein Kind alt genug ist, denkt er, dann kann es selbst entscheiden, ob es an Gott glauben will. Oft macht die 18- jährige Lilly auf dem Weg in ihr Dachatelier im Arbeitszimmer ihres Vaters halt. Eines Tages lässt sie sich in den Sessel fallen und stöhnt. Warum ist es nur so höllisch kompliziert mit der Liebe? Als dem Vater keine hilfreichen Antworten mehr einfallen, sagt er: "Naja, ein bisschen muss in solchen Dingen natürlich auch der Himmel helfen." Lilly antwortet: "Ich glaub ja nicht an Gott." Das trifft ihn bis ins Mark und er schreibt ihr eine Mail mit der einfachen Frage "Warum nicht?". So entspinnt sich ein reger Austausch, in dem beide offenbaren, was sie denken: über Gott und die Welt, das Leben und seinen Sinn, die Liebe und Religion und darüber, was Glauben eigentlich bedeutet.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 16.04.2011
Rezensent Michael Pawlik zeigt sich amüsiert - allerdings lacht er nicht mit dem Autorenduo Lilian und Richard Kähler, sondern eher über sie. Bei den Kählers handelt es sich um Vater und Tochter, die hier eine monatelange E-Mail-Korrespondenz über Glaubensfragen führen, wie Pawlik mitteilt. Dabei wolle der Vater seiner Tochter Gott nahe bringen, obwohl er selbst so manchen Zweifel hege. Die Rezension gibt einen Überblick über die von Kähler zusammengebastelte Theodizee, die, so Pawlik, in Teilen durchaus auf den päpstlichen Segen zählen kann, während sie andernorts in einen seichten Pantheismus abgleite. Letztlich könne Kähler als stärkstes Argument für Gott nicht mehr ins Feld führen als die Aussage, dass er nun einmal an ihn glaube und dieser Glaube ihm mitunter zum Quell von Zufriedenheit und Glück werde. Dass Lilian an ihrem Atheismus festhält und ihren Vater am Ende aussehen lässt, "wie einen zur Unzeit erschienenen Staubsaugervertreter", kann Pawlik ihr nicht verdenken.
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