Daniel Domscheit-Berg

Inside Wikileaks

Meine Zeit bei der gefährlichsten Website der Welt
Cover: Inside Wikileaks
Econ Verlag, Berlin 2010
ISBN 9783430201216
Gebunden, 304 Seiten, 18,00 EUR

Klappentext

In Zusammenarbeit mit Tina Klopp. Die Enthüllungen von WikiLeaks halten die Welt in Atem. Doch wer steckt hinter der Organisation, die die Mächtigen fürchten macht und das Pentagon eine 120 Mann starke Task Force einberufen ließ? Wie sieht es aus in der Schaltzentrale von WikiLeaks und welche brisanten Papiere schlummern dort noch? Daniel Domscheit-Berg nimmt uns mit ins Herz von WikiLeaks. Er hat die Enthüllungsplattform seit 2007 Seite an Seite mit Julian Assange aufgebaut. Der junge Deutsche ist weltweit der Mann, der neben dem schillernden und zunehmend umstrittenen Gründer den besten Einblick in das Whistleblower-Projekt hat. Seit Domscheit-Berg und andere Mitstreiter sich im Herbst 2010 aus dem Projekt zurückzogen, ist Julian Assange alleiniger Herrscher über dieses machtvolle Instrument.

Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 17.02.2011

So ganz ernst nehmen kann Rezensent Ijoma Mangold dieses Buch nicht. Autor Daniel Domscheit-Berg zeigt sich ihm hier als enttäuschter Anhänger einer Wikileaks-Kirche, der jetzt genauso hemmungslos mit ihr abrechnet, wie er früher an sie (und an Assange) geglaubt hat. Auch Domscheit-Bergs ständige Beteuerungen, ihm gehe es nur um die Verbesserung der Welt, überzeugen ihn nicht ganz. Aber interessant ist das Buch trotzdem, so Mangold. Gibt es doch Einblick in das Milieu von Netzaktivisten, die in unglaublich kurzer Zeit mit ihrer politischen Agenda - totale Transparenz - die Welt geprägt haben. Dieser Einblick in Motive und Hintergründe haben Mangold sichtlich interessiert. Er zeichnet die Geschichte nach von der Wiesbadener Wohnung Domscheit-Bergs, in der dieser und Assange programmiert haben, die von keinem Zweifel getrübten Überzeugungen bis zum plötzlichen Startum und schließlich die bittere Trennung. Es ist, als sähe man einer neuen Religion beim Entstehen und Zerfall zu, so der faszinierte Rezensent.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 11.02.2011

Da kommt noch was nach, meint Detlef Borchers angesichts des heute erscheinenden Buches des Ex-Wikileakers Daniel Domscheit-Berg. Nicht nur weil der Autor selbst diese Vermutung äußert, sondern weil bereits bekannt wurde, dass gegen Domscheit-Berg im Namen von Julian Assange wegen Diebstahls ermittelt wird. Diebstahl? Im Fall der vom Autor gebunkerten Wikileaks-Daten ist dieser Begriff wohl zumindest diskussionswürdig, meint Borchers und staunt über die kuriose Situation, die der Autor in seinem Buch mit "charakteristischer Offenheit" beschreibt. Dass nämlich Wikileaks-Material auf Halde lagert, weil, wie Domscheit-Berg schreibt, Assange derzeit keine Sicherheit für die Daten garantieren könne. Das ist eine Neuigkeit, freut sich Borchers. Aber auch die Berichte über den Ausstieg aus dem System Wikileaks, die der Autor zum Besten gibt, hat der Rezensent, wie es aussieht, mit Interesse verfolgt.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 11.02.2011

Niklas Hofmann stellt klar, dass Wikileaks-Gründer Julian Assange durchaus viele positive Züge hat, in diesem Buch allerdings kommen sie nicht vor, hier manifestiert sich enttäuschte Freundschaft. Trotzdem hat er das Buch des Aussteigers Daniel Domscheit-Berg mit Interesse gelesen und gibt dessen Vorwürfe gegenüber Assange sehr ausführlich wieder: dass Assange die Daten zu wenig schütze, für den Gefreiten Bradley Manning die angekündigte Verteidigung nicht organisiert habe und dass er jetzt mit dem Holocaust-Leugner und Antisemiten Israel Shamir zusammenarbeite. Vieles, nicht alles scheint ihm nachvollziehbar, Assanges manische Persönlichkeit ist ihm definitv zu negativ gezeichnet, ihm erscheint er vor allem als "unfassbar gedankenloser Chaot". Aufschlussreich findet er, dass bei Domscheit-Berg Wikileaks kein weltumspannendes Netzwerk für radikale Transparenz ist, sondern ein Zwei-Mann-Betrieb. Was dem Rezensenten in diesem sehr "aktionsorientierten" Bericht allerdings wirklich fehlt, ist eine  Erklärung der eigenen Triebfedern: Woher diese Liebe zur totalen Transparenz?

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