Auf den Schlachtfeldern des Ersten Weltkriegs beginnt die Geschichte des Alois Fiedler, die sein Sohn, der stern-Autor Teja Fiedler, einfühlsam und aus nächster Nähe erzählt: Der Bauernsohn und k.u.k.-Oberleutnant steigt nach dem Krieg in Böhmen zum angesehenen Notar auf. Doch dann wird seine Frau geisteskrank, Hitler holt die Sudetendeutschen "heim ins Reich", im Zweiten Weltkrieg bangt Alois um seine älteren Söhne in Russland. Beim Zusammenbruch des "Dritten Reiches" rettet ihn die Rote Armee vor tschechischen Partisanen, dann wird er als Landesverräter inhaftiert und schließlich mit seiner Familie aus der Heimat vertrieben. Im niederbayerischen Plattling versucht der mittellose Flüchtling einen schwierigen Neuanfang.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 18.01.2011
Das beste Kompliment, das Andreas Platthaus dem Autor und seinem hier als "Sachfiktion" beschriebenen Buch machen kann, ist mit dem Schock recht gut beschrieben, den der Rezensent am Ende der Geschichte erfährt, als nämlich ihr Held stirbt und nunmehr von außen betrachtet wird. Das Einfühlungsvermögen des Autors in die Figur des Vaters muss also enorm sein. Dergestalt, dass Platthaus mitunter fast vergisst: hier wird Geschichte mitgeteilt. Lebensgeschichte ohnehin, die wechselhafte des Vaters von Teja Fiedler, geboren in Böhmen in eine Zeit des Umbruchs und der Kriege. Das Verfahren der mit fiktionalen Elementen durchsetzten Biografie funktioniert. Bis hin zu sinnlichen Effekten, wenn der Rezensent die Granaten pfeifen hört oder die inneren Kämpfe des Vaters mit durchlebt. Ergänzt durch weitere Zeitzeugenberichte und die Geschichte Böhmens wird daraus laut Platthaus ein Doppelporträt von Mann und Land, von individueller Lebensform und einer Dynamik, die größer ist als sie und die sie mitreißt.
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