Von heute auf morgen steht Agnes allein da. Nacheinander sind ihre Eltern in den Westen gereist und dort geblieben. Selbst die begehrte Westjeans und die Zusicherung ihrer Eltern, sie bald nachzuholen, können Agnes' Enttäuschung nicht lindern. Und obwohl sie fortan die ganze Härte des Ceausescu-Regimes zu spüren bekommt, liebt sie ihre Heimat und will jetzt erst recht nicht fort. Erst als sie ohnmächtig mit ansehen muss, wie ihre große Liebe Petre in die Mühlen des staatlichen Unrechtssystems gerät und fast zerbricht, erkennt sie, dass ein menschenwürdiges Leben nur unter menschenwürdigen Bedingungen gelebt werden kann und jeder seinen Beitrag gegen Willkür und Unterdrückung leisten muss.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 03.01.2011
Karin Bruders Jugendroman über die letzten Jahre der Ceausescu-Ära in Rumänien scheint Antje Weber rundum gelungen. Die Geschichte um die 16-jährige Agnes, deren Eltern sich in den Westen abgesetzt haben und deren Freund in die Fänge des staatlichen Unterdrückungsapparats geraten ist, vermittelt für sie ein eindrückliches Bild vom Leben in einer Diktatur, von Hunger, Armut und von der Angst vor dem Geheimdienst. Trotz der bedrückenden Thematik fühlt sich Weber von der Darstellung nicht abgeschreckt. Das liegt für sie vor allem an der "geschliffenen" Sprache des Romans und an der Schilderung aus der Perspektive der jugendlichen Ich-Erzählerin, die auch mit den Problemen erster Liebeserfahrungen und ihrer eigenen tabuisierten Familiengeschichte herumschlagen muss.
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