Clotilde Schlayer

Minusio

Chronik aus den letzten Lebensjahren Stefan Georges
Cover: Minusio
Wallstein Verlag, Wallstein 2010
ISBN 9783835307599
Gebunden, 346 Seiten, 39,90 EUR

Klappentext

Am 1. Oktober 1931 traf Stefan George in Minusio ein. Er sollte das Bauerndorf bei Locarno nur noch für wenige Monate verlassen, bevor er dort Ende 1933 starb. Bisher wusste man nur wenig über diese letzte Lebensphase Georges. Clotilde Schlayer betreute gemeinsam mit ihrem Lebensgefährten Walter Kempner, dem Arzt Georges, den Dichter bis zu seinem Tod. Fast täglich schrieb sie ihre Erlebnisse in Briefen nieder, aus denen sie später eine Chronik des Lebens im Tessin komponierte. Dieser "Minusio-Roman" dokumentiert das dortige Leben, die Gespräche über Alltägliches und Weltbewegendes, so auch über Nationalsozialismus und Judenfeindschaft.

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 22.03.2011

Mit Stefan George in der WG. Wie das war, berichtet Clothilde Schlayer in dieser Chronik. Und siehe da: Der Meister trägt menschliche Züge. Überrascht zeigt sich Rezensent Manfred Koch auch von den Privilegien die George seiner Köchin Schlayer, eine Frau immerhin, einräumte. Sie durfte sogar von seinem Löffelchen essen! Den Band findet Koch schön gestaltet und hervorragend kommentiert. Wiewohl Koch hier also einem entspannten Dichter-Gott begegnet und Schlayers Entschiedenheit im politischen Disput mit George ihn mitunter verblüfft, muss er wiederum feststellen, wie sehr die dem engeren George-Kreis Angehörenden in Anbetung und Ergriffenheit erstarren, sobald der Meister sich nur räuspert.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 12.01.2011

Grenzenlose Verehrung und Treue kann Matthias Waha aus den Briefen von Stefan Georges Pflegerin, Köchin und Übersetzerin Clotilde Schlayer herauslesen, auch wenn er der Schreiberin durchaus eine gewisse Chuzpe dem Meister gegenüber attestiert. Die vorliegende Auswahl der Briefe Schlayers an ihren Mann erscheint Waha als minutiöse Chronik der letzten Lebensjahre Georges, die Mahlzeiten und Wetter festhält und auch sonst eher Menschliches, Allzumenschliches aus der Welt des großen Raunenden berichtet, nichts grundstürzend Neues für die Forschung (etwa Georges Haltung zum Nationalsozialismus betreffend). Für Waha geht das in Ordnung. George ein wenig sympathischer zu machen, wie es der Autorin hier gelingt, scheint ihm auch keine Kleinigkeit zu sein.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 10.12.2010

Rezensent Thomas Karlauf begrüßt Clotilde Schlayers jetzt vorliegende "Chronik aus den letzten Lebensjahre Stefan Georges". Die Aufzeichnungen Schlayers, die als Gefährtin und Haushälterin Georges fungierte, bieten in seinen Augen einen sehr genauen Einblick das Leben des Dichters während seiner Aufenthalte in Minusio bei Locarno in den Jahren 1931 bis 1933. Sie heben sich seines Erachtens durch ihren "unprätentiösen Ton" von den hochtrabenden Selbststilisierungen von George und seinem "Kreis" deutlich ab. Etwas enttäuscht ist er darüber, dass die Aufzeichnungen im Blick auf die politische Situationen in Deutschland und die "Machtergreifung" Hitlers sehr wenig hergeben. Insbesondere im zweiten Teil der Minusio-Chronik findet Karlauf eine Menge private Details. Nicht alles scheint ihm wichtig, vieles redundant. Deck- und Kosenamen, "verklausulierte Vokabular" und "sperrige Syntax" machen die Lektüre nach seinem Empfinden bisweilen anstrengend. Von den Herausgebern hätte er sich zudem "wirkliche Lesehilfen" gewünscht. Aber wie Schlayer mit Georges Frauenfeindlichkeit zurande kam, nötigt dem Rezensenten Respekt ab.

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