Bücherschau der Woche
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Klappentext
Aus dem Amerikanischen von Irmengard Gabler. Die Freundinnen Ruzka und Vitka lernen im Wilnaer Ghetto den charismatischen Widerstandskämpfer Abba kennen. Bald sind die drei unzertrennlich: Sie teilen Tisch und Bett, und gemeinsam organisieren sie die Sabotage an deutschen Einrichtungen. Als im September 1943 das Ghetto geräumt werden soll, gelingt ihnen kurz zuvor die abenteuerliche Flucht durch die Kanalisation in die Wälder. Dort hausen sie in getarnten Erdlöchern und führen mit anderen Partisanen den Kampf fort. Am Ende des Krieges haben die drei wie durch ein Wunder überlebt. Doch für Abba ist der Krieg noch nicht vorbei. Wie einige der überlebenden Juden sinnt er auf Vergeltung für den Holocaust. Doch sein Vorhaben scheitert. Seine Freunde greifen nun auf Plan B zurück ... Rich Cohen erzählt anhand der Liebes- und Lebensgeschichte von Ruzka, Vitka und Abba die bisher wenig bekannte Geschichte des jüdischen PartisanenkampfsDarüber hinaus erzählt er auch vom Weiterleben nach dem Krieg und vom harten Neuanfang in einem fremden Land.
Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 25.01.2001
Rich Cohens Roman "Nachtmarsch" fällt in die Sparte der Holocaust-Literatur, und dass in diesem Bereich längst noch nicht alle Aspekte befriedigend aufgearbeitet sind, macht Ulrich Sonnenschein in seiner Besprechung dieser Neuerscheinung deutlich. Als "ein Stück journalistischer Prosa", einen "Tatsachenroman" bezeichnet er Cohens Buch, denn der Autor beleuchte hier in sachlicher, klarer Sprache eine Reaktion auf den deutschen Terror, die das Bild von den alles erduldenden Juden korrigiere. Cohen erzähle die Geschichte von drei polnischen Juden, die versuchten, den Kampf im Untergrund zu organisieren. Sonnenschein findet, dass der englische Titel "Die Rächer" dem Buch in viel stärkerem Maße Rechnung trägt, denn von Rachegefühlen ist das Handeln der drei Protagonisten bei allen ihren Aktionen geprägt. Das wird, so Sonnenschein, schon allein daran deutlich, dass der Roman nicht mit dem Zusammenbruch des Naziregimes endet, was wohl das eigentlich Neue dieses Buches ausmacht. Zum einen gehen die Racheaktionen nach dem Krieg weiter, zum anderen veranschauliche Cohen überzeugend, wie die Betroffenen sich durch den Verlauf der Geschichte um das Gefühl einer angemessenen Rache beraubt fühlen. Der Rezensent betont den differenzierten Blick des Autors bei der Bearbeitung seines Themas. Sein Ziel sei es, jüdische Klischees zu widerlegen. Dabei gehe es ihm darum, die menschliche Härte, die sich dabei entwickeln konnte, zu zeigen, ohne die Resignation der anderen zu verteufeln. Für Sonnenschein war es höchste Zeit, dass sich jemand diesem Aspekt der jüdischen Geschichte widmete, solange noch Zeitzeugen befragt werden konnten.
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Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 04.10.2000
Elke Schubert bedauert sehr, das Rich Cohen hier - wie sie meint - eine Gelegenheit verspielt hat. Denn anstatt die noch lebenden jüdischen Partisanen von Wilna bei der Reflexion über heute noch offenen Fragen zu beteiligen, habe Cohen eine "unentschlossen vage" Geschichte vorgelegt, die darüber hinaus nicht frei von Fehlern und auch ein Beispiel dafür sei, wie "sich die Erinnerung im Laufe der Jahrzehnte verschiebt". Abba, Ruzka und Vitka sind keine fiktiven Figuren, sondern haben wirklich am Widerstand in Wilna teilgenommen. Aber anders als in Cohens Roman "Murder Inc.", der sich mit der "jüdischen Mafia im Brooklyn der dreißiger und vierziger Jahre" befasst, musste der Autor hier mit dem Versuch, sich in die Gefühlswelt der Protagonisten hineinzuversetzen, zwangsläufig scheitern, so Schubert. Sie stört sich an dem moralischen Unterton, der ihrer Ansicht nach "allenfalls den damaligen Kämpfern zustünde" ebenso wie der Suggestion, dass die Beteiligten noch mit niemandem über diese Erlebnisse gesprochen hätten - dabei hat Ruzka Korczak selbst mehrer Bücher über den Partisanenkampf veröffentlicht. Aber auch die Fragen, warum so ungewöhnlich viele Frauen an diesen Kämpfen beteiligt waren, wieso es später wenige Racheakte gegeben hat oder wie es den ausgereisten Juden in Palästina ergangen ist, hätten nach Ansicht Schuberts durchaus eingehender beleuchtet werden können.
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