Natascha Kampusch erlitt das schrecklichste Schicksal, das einem Kind zustoßen kann: Am 2. März 1998 wurde sie im Alter von zehn Jahren auf dem Schulweg entführt. Ihr Peiniger, der Nachrichtentechniker Wolfgang Priklopil, hielt sie in einem Kellerverlies gefangen - 3096 Tage lang. Am 23. August 2006 gelang ihr aus eigener Kraft die Flucht. Priklopil nahm sich noch am selben Tag das Leben. Jetzt spricht Natascha Kampusch zum ersten Mal offen über die Entführung, die Zeit der Gefangenschaft, ihre Beziehung zum Täter und darüber, wie es ihr gelang, der Hölle zu entkommen.
Eindruck hat Natascha Kampuschs Buch über die acht Jahre ihrer Gefangenschaft auf Sophie von Maltzahn gemacht. Nicht nur, dass sie die Autorin darin als emanzipierte Frau kennengelernt hat, "deren Wille zu leben auf grausame Weise gestählt wurde". Auch Kampuschs Analyse ihrer eigenen emotionalen Lage und ihrer Beziehung zu dem Entführer, lassen sie den Hut vor dieser jungen Frau ziehen. Schockiert ist sie, dass sich das Mädchen mit seinem Entführer immer wieder unerkannt an öffentlichen Orten aufgehalten hat, und ohnmächtig gewesen sei zu fliehen. Daher versteht sie das Buch auch als Appell an uns alle, genau hinzusehen.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 08.09.2010
Christian Geyer lässt sich sehr feinfühlig auf die Argumente von Natascha Kampusch ein, die in ihrem jetzt erschienenen Erfahrungsbericht ihrer über acht Jahre währenden Entführung versucht, die Deutungshoheit über ihr Schicksal zurückzuerlangen. Während man ihr Verhalten in ihrer Gefangenschaft und ihre Zögerlichkeit, Gelegenheiten zur Flucht zu ergreifen, nämlich "klinisch" als Stockholm-Syndrom begreifen könne, lege die Autorin Wert darauf, ihre Lage psychologisch anders zu erklären, so der Rezensent. Kampusch macht fehlende Vorstellungen von Rettung und einen "Sog der Ohnmacht" plausibel, findet der Rezensent, der das vorliegende Buch als einen weiteren "Akt der Überlebensstrategie" würdigt.
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