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zuletzt aktualisiert 09.02.2012, 20.50 Uhr

Bücherschau der Woche

Hatten Sie in den letzten Tagen keine Zeit, die Zeitung zu lesen oder bei uns vorbeizuschauen ? Macht nichts, denn hier können Sie unsere Rezensionsnotizen der letzten sechs Erscheinungstage nach Zeitung oder Themen sortiert abfragen.

Literaturbeilagen

All unsere Notizen zu den Buchkritiken in den Literaturbeilagen von FAZ, FR, NZZ, SZ, taz und Zeit.

Aus dem Archiv

Links

Kommentierte Linkliste zu internationalen Zeitungen, Zeitschriften und Verlagen.

Erwin Mortier

Götterschlaf

Roman

Cover: Götterschlaf

DuMont Verlag, Köln 2010
ISBN-10 3832195424
ISBN-13 9783832195427
Gebunden, 367 Seiten, 22,95 EUR

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Klappentext

Aus dem Niederländischen von Christiane Kuby. Der neunzigjährigen Helena drängen sich die Bilder ihres Lebens auf. Eine letzte Inventur, die sie in der Obhut ihrer Pflegerin Rachida vornimmt. Orte suchen sie im Halbschlaf auf, Requisitenkammern vom Schauspiel ihrer Existenz. Da ist die Kindheit in Flandern, in der sie nur handarbeiten und Konversation betreiben durfte. Oder die Jahre des Ersten Weltkriegs kehren wie ein Echo zu Helena zurück. In ihren Reflexionen über Zeit, Erinnerung, soziale Klasse, Krieg und Liebe entsteht die exemplarische Geschichte eines Frauenlebens im 20. Jahrhundert.

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 14.12.2010

Einen Magier nennt Roman Bucheli den Autor und seine Erzählerin. Magisch erscheint ihm die Art, wie hier Geschichte und das Trauma des Ersten Weltkriegs von den Rändern her enthüllt werden, in den fragmentierten Erinnerungen einer alten Frau an die Sommerfrische anno 1914 und die vielen Toten in ihrem langen Leben. So riskant Bucheli die gewählte Perspektive findet, so gekonnt scheint ihm Erwin Mortier Distanz und Empathie zugleich in den Text einfließen und eine versunkene Belle Epoque mit erschütterndem Ende auferstehen zu lassen. Im Gegenlicht der Gegenwart und aus den Arabesken von Mortiers Prosa, erklärt Bucheli wie verzaubert, tritt dabei immer wieder Verborgenes zutage.

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Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 02.09.2010

Eine tief beeindruckte Sabine Brandt hat Erwin Mortiers Roman "Götterschlaf" gelesen, und sie kann nicht genug darüber staunen, wie einfühlsam sich der 1965 geborene belgische Autor nicht nur in die Zeit des Ersten Weltkriegs, sondern auch in die Psyche seiner weiblichen Hauptfigur hineinversetzen konnte. Denn es liest sich als äußerst lebendiger und eindrucksvoller Erinnerungsbericht, was die 90-jährige Helena teils ihren Schreibheften, teils ihrer marokkanischen Pflegerin über ihre einengende Erziehung, ihre Jahre im Ersten Weltkrieg erst als Assistentin, später als Frau eines britischen Kriegsfotografen und die Zeit danach mitteilt, so die Rezensentin gefesselt. Sie findet übrigens, dass die Klappentextformulierung, das Buch zeige ein exemplarisches Frauenschicksal des 20. Jahrhunderts dem Buch nicht ganz gerecht wird. Mortier sei es gelungen, mit Helena eine "ganze Epoche" zu charakterisieren, deren "Sturheit" und Begrenztheit die "Schrecken des 20. Jahrhunderts" hervorbrachten, so Brandt.

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