Aus dem Amerikanischen von Sylvia Taschka. Mit zehn Abbildungen. Die DDR existierte vier Jahrzehnte länger als die Weimarer Republik und das Dritte Reich zusammen und war also ein rätselhaft stabiler Staat, dessen Bestand, und nicht nur Kollaps, dringend einer Erklärung bedarf. In seiner bahnbrechenden Studie präsentiert Andrew Port eine überraschende Lösung für dieses Rätsel: Einerseits betont er die Bereitschaft der Funktionäre, Kompromisse einzugehen, sobald der Konsens innerhalb der Gesellschaft gefährdet schien, und zeigt damit, dass die DDR kein totalitärer Staat war. Andererseits war sie aber ebenso wenig eine solidarische Notgemeinschaft, sondern eine durch soziale Spannungen zersplitterte Gesellschaft, was Massenunruhen verhinderte und so gleichfalls zur Stabilität beitrug.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 14.06.2010
Die unbegreifliche Stabilität der DDR zu hinterfragen, anstatt einmal mehr ihren Zusammenbruch zu beleuchten, hält Martin Sabrow für einen gute Idee. Dass der Autor Andrew I. Port dabei nicht die SED-Zentralen, sondern den Alltag im thüringischen Saalfeld während der Ulbricht-Ära und den Wismut-Aufstand in den Blick nimmt, leuchtet Sabrow ein. Die Befunde erscheinen ihm nicht neu, aber doch bemerkenswert, zeigen sie ihm doch, wie sich die Zuckerbrot-und-Peitsche-Politik bewährte. Ports Deutung des Regimes als Kombination aus Fürsorgediktatur und abgestufter Privilegiengesellschaft findet Sabrow interessant. Als Erklärungsmodell jedoch reicht ihm das nicht. Zur Effizienz der Repression oder zum Eigensinn einer "missmutig loyalen" Bevölkerung, zwei für Sabrow wichtige Faktoren, findet er in diesem Buch nichts.
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