Metternich - sein Name steht für das Zeitalter der Restauration, das monarchische Prinzip und den Versuch, den liberalen und nationalen Kräften des 19. Jahrhunderts Einhalt zu gebieten. Doch der Fürst, der rund vier Jahrzehnte lang zu den beherrschenden Gestalten Europas gehörte, war mehr als nur ein Reaktionär. Wolfram Siemann zeigt, dass der Gegenspieler Napoleons und Architekt der europäischen Friedensordnung nach dem Wiener Kongress von 1815 mehr als bislang aus seiner Zeit heraus verstanden werden muss und in vielem moderner war als das bis heute gängige Bild von ihm vermuten lässt.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 07.06.2010
Gustav Seibt ist ganz gerührt, wenn er an Metternich und dessen Schicksal denkt. Begeistert zeigt er sich angesichts einer Art Vorabveröffentlichung aus einer neuen wissenschaftlichen Metternich-Biografie des Historikers Wolfram Siemann. Das frischt nicht nur die trostlose Metternich-Biografik auf, wie Seibt zu verstehen gibt, das lässt auch den "Originalton des Jahrhunderts" hören. So, wenn aus den von Siemann erschlossenen Quellen der Briefeschreiber und Zeitschriftsteller Metternich spricht und Napoleon zitiert ("Ein Mensch wie ich scheißt auf das Leben von einer Million Menschen."). Als Mann des Alten Reiches zeichnet der Autor den Staatsmann laut Seibt und verschafft dem Rezensenten aufregende Lektürezeit durch "ideengeschichtliche Durchblicke" auf Staatstheorie a la Metternich, Schleger und Gentz.
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