An der Schwelle zur Epoche Michelangelos und Raffaels begann sich in Italien aus der noch jungen Kunst des Kupferstichs eine neue Gattung der Druckgraphik herauszulösen: Stecher verpflichteten sich zunehmend der graphischen Interpretation und Vervielfältigung fremder statt eigener Bildkonzepte. Diese Geburtsstunde der Reproduktionsgraphik markiert den Aufbruch in das Zeitalter des vervielfältigten Bildes. Künstler wie Mantegna, Raffael, Tizian, Rosso Fiorentino und Parmigianino suchten Geschäftspartnerschaften mit führenden Stechern und Holzschneidern, um ihre Werke druckgraphisch umsetzen und verbreiten zu lassen. Damit fand erstmals ein Kulturtransfer zwischen den Medien statt, der für den Prozess der europäischen Akademiebildung grundlegend wurde.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 29.05.2010
Lobend äußert sich Rezensent Andreas Strobl mit Norberto Gramaccinis und Hans Jakob Meiers Buch über die Reproduktionsgrafik der italienischen Renaissance. Wie die Autoren eingefahrene Sichtweisen in Frage stellen, ist für ihn höchst anregend. Deutlich wird für Strobl die Wertschätzung, die der Wiedergabe berühmter Bilder entgegen gebracht wurde, und dass es dabei nicht nur um Vervielfältigung, sondern auch um Interpretation ging. Die Darstellung der technischen Entwicklungen der Verfahren schätzt Strobl als überaus profund. Und auch den abschließenden Katalogteil, der über zweihundert Grafiken mit erhellenden Beschreibungen bietet, bedenkt er mit Lob.
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