Die Geschichte der Raumplanung in Deutschland ist die Geschichte eines Jahrhundertprojekts. Es ist die Geschichte einer kleinen Gruppe von Experten und ihres unermüdlichen Versuchs, "Ordnung" zu schaffen. Wissenschaftlicher Idealismus und Opportunismus, Erfolg und Misserfolg lagen dabei dicht nebeneinander. Ariane Leendertz beschreibt die Kontinuitäten und Brüche raumplanerischen Denkens im 20. Jahrhundert: die Wurzeln des Projekts, seinen Gegenstand und dessen Erfassung, die Perspektiven auf Raum und Bevölkerung. Zugleich erzählt sie vom zähen Kampf einer Disziplin um Macht, Einfluss und Ressourcen bei dem Versuch, ihre Ideen Wirklichkeit werden zu lassen. Das "Dritte Reich" eröffnete den Raumplanern Chancen, die sie bereitwillig ergriffen - und die im "Generalplan Ost" ihren fürchterlichen Höhepunkt erreichten.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 12.04.2010
Carsten Kretschmann würdigt die Studie von Ariane Leendertz zur deutschen Raumplanung des 20. Jahrhunderts als "facettenreiches" Panorama einer Wissenschaft und als "wichtigen Beitrag zur Erforschung der Kontinuitäten und Brüche im politischen Ordnungsdenken" des vergangenen Jahrhunderts. Er lobt den Band für seine flüssige Schreibweise und attestiert den Darlegungen zumindest überwiegend große Überzeugungskraft. Die Autorin versteht ihr Buch als ein Stück "Ideengeschichte", erklärt der Rezensent einverstanden, der auch den "methodischen Eklektizismus", zu dem sich Leendertz bekennt, grundsätzlich gutheißt. Allerdings stellt er anhand mancher Passagen kritisch fest, dass dieser mitunter mehr behauptet als konsequent verfolgt wird. Denn es handelt sich auf keinen Fall um eine maßgeblich wissenschaftshistorische Arbeit, stellt Kretschmann klar, der das aber nicht weiter schlimm findet. Kritischer dagegen sieht er die implizite Behauptung der Autorin, die Raumplanung in Deutschland habe sich insgesamt vor allem aus einem konservativen Geist heraus entwickelt und eine antimoderne Stoßrichtung gehabt.
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