Hermann Wagener, sozialpolitischer Berater und Vertrauter Bismarcks, war die prägende Figur der preußischen Sozialkonservativen. Bis 1873 war er ihr einflussreicher Ideengeber und Organisator. Die vorliegende Studie macht ihn und die Sozialkonservativen, ihre Konzepte und Handlungsstrategien erstmals zum Gegenstand einer umfassenden Untersuchung. Sie zeigt, dass die Sozialkonservativen bereits mit allen Elementen eines "modernen" Antisemitismus operierten, die gemeinhin erst der Zeit nach dem "Gründerkrach" von 1873 zugeschrieben werden.
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 10.04.2010
Stefan Breuer bedenkt Henning Albrechts Studie "Antiliberalismus und Antisemitismus" mit viel Lob. Überzeugend zeigt der Autor für ihn auf, dass die Anfänge des modernen Antisemitismus in Deutschland nicht wie lange angenommen in die siebziger Jahre des 19. Jahrhunderts zu datieren sind, sondern ein Jahrzehnt früher. Er attestiert Albrecht, anhand einer umfassenden Analyse der wichtigsten Presseorgane des konservativen Kreises um Hermann Wagener - wie der "Berliner Revue", des "Preußischen Volksblatts" und des "Kleinen Reaktionärs" - nachzuweisen, dass die antisemitische Hetze in Preußen schon in den sechziger Jahren einsetzte. Eine Ausformulierung der antisemitischen Ideologie finde der Autor bereits in Wageners "Das Judenthum und der Staat" von 1857 sowie im "Staats- und Gesellschaftslexikon" von 1858 bis 1867. Weniger gefallen hat Breuer, wie Albrecht das Werk von Panajotis Kondylis abfertigt. Kritisch sieht er zudem den Konservatismusbegriff des Autors und die "inflationäre" Verwendung des Rassismusbegriffs. Nichtdestoweniger würdigt er das Werk als "Pionierleistung der historischen Antisemitismusforschung".
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