Bücherschau der Woche
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All unsere Notizen zu den Buchkritiken in den Literaturbeilagen von FAZ, FR, NZZ, SZ, taz und Zeit.
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Klappentext
Aus dem Französischen von Tobias Scheffel. Den Spätsommer des Jahres 1942 verbringen die beiden Kinder Dora und Jacques fern der Eltern in ländlicher Idylle nahe der spanischen Grenze. Sie schaffen sich in ihrem "Wildpark" ein eigenes Reich, spielen mit einer alten Ente "Eierverstecken", versuchen erfolglos die Zwillinge Jean und Joan auseinander zu halten, lauschen dem Katalanisch sprechenden Großvater und lassen sich von zwei jungen Frauen versorgen. Dass die Reise noch weiter über die Pyrenäen ins Exil gehen soll, bleibt den beiden ebenso unverständlich wie die Gespräche der Erwachsenen und gelegentlich aufgeschnappte Radioberichte. Doch die äußere Bedrohung, der Krieg, die Besatzung sind wie ein inneres Zittern im Text spürbar.
Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 19.08.2010
Rezensent Steffen Richter hat Freude an dieser Kindheitserinnerung, obwohl er mit den "poetischen Überzeugungen" des Autors Jacques Roubaud nicht zurechtkommt, der versuche, seine literarische Arbeit mit Mathematik zu verbinden. Dass das in den Augen des Rezensenten nicht funktioniert, liegt nicht so sehr an den Strategien dieser "Werkstatt für potenzielle Literatur", die nach Richters Meinung durchaus Interessantes zustande gebracht hat, sondern an Roubauds Umsetzung des Ansatzes - und auch an der Übersetzung. Problematisch ist nach Einschätzung des Rezensenten vor allem die Erzählperspektive, die ohne Einblicke in diese Theorie etwas rätselhaft bleibt und durch sie auch nicht wirklich gewinnt. Die Wirkungsmacht des Romans wird dadurch jedoch kaum geschmälert, er überzeugt den Rezensenten als "atmosphärisch dichte, fein konstruierte und mit allerhand Texten von Poe bis Carroll verwebte" Geschichte.
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Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 22.05.2010
Sehr erfreut ist Niklas Bender angesichts dieser Veröffentlichung: Noch immer werde, klagt er, der große Oulipo-Autor Jacques Roubaud in Deutschland viel zu wenig zur Kenntnis genommen und übersetzt. Umso schöner, dass der Wagenbach nun ein in jeder Hinsicht gelungenes Buch herausbringe. Roubaud erzählt darin von der zehnjährigen Dora, die im Jahr 1942 auf ein Weingut reist und dort allerlei erlebt, vom Krieg aber wenig mitbekommt. Was nicht heißt, dass der Krieg keine Rolle spielt - vielmehr habe Roubaud ihn wie Poe seinen "Purloined Letter" im Zentrum seines Buches durch Nichtverstecken versteckt. Das ist beileibe nicht die einzige Raffinesse, die Bender in diesem aufs "Literarisch-Spielerische" setzenden Buch entdeckt hat. Was für ein großartiges Werk es sei, merke man so richtig aber am Ende erst, wenn es eine geradezu "tragische Wucht" entfalte.
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Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 20.03.2010
Eingenommen ist Rezensent Thomas Laux für Jacques Roubauds Erzählung um die zehnjährige Dora, die den Sommer 1942 auf dem Anwesen von Verwandten am Rand der Pyrenäen verbringt, wo es einen Abenteuer und Geheimnis verheißenden verwilderten Park gibt. Er hebt hervor, dass die Erzählung konsequent der kindlichen Perspektive Doras folgt, deren Kinderwelt vom Krieg, der nur in gelegentlichen Gesprächen der Erwachsenen thematisiert wird, unberührt bleibt. Als "strukturelle Variante" der Erzählung betrachtet Laux das Tagebuch Doras, das am Ende der Erzählung eine erhellende Rolle spielen wird, was ihn nicht überrascht, sieht er in Roubaud doch einen zu den "Ouliponisten" gehörenden "Vexierspielkünstler". Sein Fazit: eine "meisterhaft gewobenene" Erzählung.
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Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 16.03.2010
Jacques Roubauds 1942 auf einem Landgut in Südfrankreich angesiedelte Erzählung, in der Kinder vor ihrer Flucht vor den Deutschen einen letzten Sommer verbringen, hat für Hans-Peter Kunisch einen ganz eigenen Reiz. Der liegt unter anderem darin, dass die Gedanken des Mädchens Dora, mit der der Erzähler diesen Sommer verbringt, derart unmittelbar wiedergegeben werden, immer wieder kontrastiert von den historischen Ereignissen, Radiomeldungen und den Ängsten der Erwachsenen. Hier glänzen für den Rezensenten der"Reiz und die Kraft des Dokumentarischen", was vielleicht noch dadurch verstärkt wird, dass die Erzählung autobiografisch grundiert ist. Durchaus anzumerken sei dem Text zwar auch Roubauds Zugehörigkeit zur Gruppe Oulipo, die sich maßgeblich dem Sprachexperiment verschrieben hat. Im "Verwilderten Park" aber hält sich der französische Autor mit Erzählerkommentaren oder Sprachspielen zurück, was nach Kunischs Vermutung wohl daran liegt, dass die Spielgefährtin in einem Nazi-Lager umkommt, wie der Leser am Ende erfährt.
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