Perlentaucher - Das Kulturmagazin

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zuletzt aktualisiert 12.02.2012, 14.50 Uhr

Bücherschau der Woche

Hatten Sie in den letzten Tagen keine Zeit, die Zeitung zu lesen oder bei uns vorbeizuschauen ? Macht nichts, denn hier können Sie unsere Rezensionsnotizen der letzten sechs Erscheinungstage nach Zeitung oder Themen sortiert abfragen.

Literaturbeilagen

All unsere Notizen zu den Buchkritiken in den Literaturbeilagen von FAZ, FR, NZZ, SZ, taz und Zeit.

Aus dem Archiv

Links

Kommentierte Linkliste zu internationalen Zeitungen, Zeitschriften und Verlagen.

Olivier Roy

Heilige Einfalt

Über die politischen Gefahren entwurzelter Religionen

Cover: Heilige Einfalt

Siedler Verlag, München 2010
ISBN-10 3886809331
ISBN-13 9783886809332
Gebunden, 336 Seiten, 22,95 EUR

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Klappentext

Aus dem Französischen von Ursel Schäfer. Religionen jeder Couleur haben weltweit wachsenden Zulauf. Allerdings stellt dieser Umstand keine Rückkehr zur traditionellen religiösen Praxis dar. Vielmehr hat die Globalisierung eine Trennung zwischen Religion, Nation und Kultur bewirkt: Jeder bastelt sich heute seinen eigenen Glauben. Zigtausende Übertritte von Muslimen in Mittelasien zu den Zeugen Jehovas belegen diesen Umstand ebenso wie Konversionen von Europäern zum Salafismus. Religiosität ist eine individuelle Angelegenheit geworden. Das führt, so der Islamwissenschaftler Olivier Roy, zu "heiliger Einfalt", einer anti-intellektuellen Haltung, die einen unmittelbaren, gefühlsbetonten Zugang zum Heiligen erwartet und sich damit als idealer Nährboden für religiösen Fundamentalismus erweist. Olivier Roy analysiert die enormen Herausforderungen, die diese Entwicklungen an den Staat und die Gesellschaft stellen.

BuchLink. In Kooperation mit den Verlagen (Info):
Olivier Roy: Heilige Einfalt - Leseprobe beim Siedler Verlag

Leseprobe beim Perlentaucher

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 24.07.2010

"Luzide" findet Rezensent Clemens Klünemann diese Analyse des religiösen Fundamentalismus von Olivier Roy. Das Buch macht für ihn deutlich, wie die aktuellen Debatten um Burka und Schleier oder früher Gehorsamsgelübde gegenüber der Katholischen Kirche genuin zu den westlichen Gesellschaften gehören und diese mitgeprägt haben. Roys Beschreibung der Entkoppelung von Religion und Kultur im Prozess der Säkularisierung ist in Klünemanns Augen besonders erhellend. Danach nutzen die Religiösen die Abtrennung von der Kultur, um alle gesellschaftlichen Veränderungen zu ignorieren und sich auf dem Markt der Religionen deutlich sichtbar positionieren zu können. Aber auch die Reaktion der säkularen Gesellschaft auf diese Taktik findet Roy fragwürdig, so der Rezensent. Denn Religion sei eben mehr als nur eine "private Schrulle". Klünemann hat das alles mit Interesse gelesen, wundert sich aber, dass Roy am Schluss "erstaunlich unverbindlich" bleibt.

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Rezensionsnotiz zu Die Tageszeitung, 03.07.2010

Mit großen Interesse hat Michael Kiefer das neue Buch des französischen Islamwissenschaftlers gelesen. Besonders hat ihn die These angesprochen, dass nicht (wie von Jürgen Habermas diagnostiziert) von einer Wiederkehr des Religiösen, sondern vielmehr der Mutation des Religiösen gesprochen werden müsse; dass man daher von einer radikalen Neunormierung des Religiösen auszugehen habe. Hier sehe Olivier Roy traditionelle Formen des Religiösen in Fundamentalismus übergehen. Auch die Schlüsse, die Roy aus seinen präzisen Analysen zieht, leuchten dem Kritiker sehr ein. Interessant fand Kiefer auch Roys Beobachtungen und Fakten zum Thema christlicher Konvertiten zum Islam.

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Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 08.04.2010

Otto Kallscheuer wünscht dem neuen Buch des französischen Islamwissenschaftlers viele Leser. Denn es enthält seinem Eindruck zufolge eine "derartige Fülle von Beobachtungen" und "Puzzles aus der Weltpolitik alter und neuer Völker", das es beim Lesen wie eine "heilsame Brise frischen Windes" auf ihn wirkte: besonders in der aktuellen "deutschen Diskurslandschaft", die - so Kallscheuer - kaum mehr als pädophile Priester und grundgesetz- wie frauenfeindliche Muslime kennt. Auch der Begriff "Einfalt" für die gegenwärtigen Verlagerung in Richtung Religion findet der hier rezensierende Philosoph und Politikwissenschaftler höchst einleuchtend. Allerdings findet er Oliver Roys Schreibstil gelegentlich etwas holprig und wundert sich auch über den deutschen Untertitel, der seiner Ansicht nach der zentralen These des Buchs widerspricht, dass nämlich nicht die Entkoppelung des reinen Glaubens gefährlich sei, sondern die "Zwangsehe von Religion und Kultur", aus der Identitätsängste und politische Gewalt erwüchsen.

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Archiv: Bücherschauen

Uangenehm plausibel

11.02.2012: FAZ und taz sind höchst unterschiedlicher Auffassung über Christian Krachts neuen Roman "Imperium": Die eine erfreut sich an Krachts "prunkend exquisiter" Sprache, die andere meint: Pauschalreiseprosa. Die NZZ ist erschüttert von Drago Jancars Roman "Nordlicht". Der FR graust es in Benjamin Steins neuem Roman "Replay". Die SZ ist zwiespältig bei Zeruya Shalev. Die taz pisst außerdem mit Vergnügen in den Wind. Mehr lesen

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09.02.2012: In "Blaue Stunden" erinnert sich die amerikanische Autorin Joan Didion an ihre Tochter, daran, wie es war, sie aufwachsen zu sehen und Abschied zu nehmen, als sie mit 39 Jahren starb. Es ist eine persönliche Bilanz über Erinnerung und Alter. Lesen Sie hier einen Auszug. Mehr lesen

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06.02.2012: Würden sich die Tiere an das erinnern, was der Mensch ihnen zumutet, wären wir (die Menschen) vom Aussterben bedroht. Lesen Sie hier einen Auszug aus Maria Sonia Cristoffs Geschichten zur unwahrscheinlichen Beziehung von Mensch und Tier: "Unbehaust. Was Menschen mit Tieren machen". Mehr lesen

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