Der Umgang mit den Toten ist immer auch ein Spiegel der Gesellschaft. Entsprechend hat sich die christliche Bestattungskultur in den letzten 2000 Jahren kontinuierlich verändert und den sozialen Entwicklungen angepasst - von den Katakomben der frühen Christen über den kollektiven Friedhof hin zur Waldbestattung und zur Verwandlung in Erinnerungsdiamanten. Letztere markieren den aktuellen Umbruch. Das lang bewährte 'Erfolgsmodell' des von der Gemeinschaft getragenen Friedhofs scheint zugunsten eines schillernden Spektrums von Beisetzungsmöglichkeiten für die individualisierte Gesellschaft seine Tragfähigkeit zu verlieren.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 13.02.2010
Eingenommen ist Rezensent Helmut Mayer für diese Kulturgeschichte des Friedhofs von Reiner Sörries. Die zweitausendjährige Geschichte von der Erfindung des christlichen Friedhofs bis zur Säkularisierung des Bestattungswesen hat ihn überaus fasziniert. Er lobt das Buch als durchweg instruktiv und klar geschrieben. Besonders hebt Mayer die Abschnitte über neuartige und alternative Bestattungsformen hervor, hinter denen eine Individualisierung der Bestattungskultur steht. Und nicht zuletzt hat er einiges über das ökologisch korrekte Begräbnis erfahren. Auch wenn es um "esoterisch aufgemischte Übergangsriten" geht, bleibt der Autor in seinen Augen meist sachlich. "Nur hie und da blitzt ein wenig Ironie auf", so der Rezensent, "die sich aber sehr im Zaum hält."
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