Seit wann gibt es in Deutschland das ganze Jahr über frisches Obst? Wie konnten einige Tonnen niederländischer Eier Anfang der 1960er Jahre die Hallstein-Doktrin als einem zentralen Pfeiler westdeutscher Außenpolitik zum Wanken bringen? Und wieso sieht man auf US-amerkanischen Straßen so wenige in Europa oder Japan hergestellte Lastwagen? All diese Fragen stehen im Kontext der Einigung des Agrarsektors unter den Vorzeichen der Europäischen Wirtschaftsgemeinschaft (EWG) seit den 1950er Jahren. Kiran Klaus Patel untersucht die Rolle der Bundesrepublik Deutschland bei der Entstehung der Gemeinsamen Agrarpolitik der EWG und schlägt dabei innovative Brücken zwischen der Erforschung des europäischen Integrationsprozesses und der Debatte über transnationale Geschichte.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 15.02.2010
Als Forschungsleistung bekommt diese Studie von Kiran Klaus Patel vom Rezensenten höchstes Lob. Dass man über die europäische Agrarpolitik zwischen 1955 und 1973 ein Buch von hohem wissenschaftlichen Ertrag schreiben kann, hätte Daniel Kosthorst gar nicht für möglich gehalten. Das Buch überzeugt ihn durch die ausführliche Darstellung und Analyse der deutschen Diskussionen, der deutschen Haltung gegenüber der Agrarintegration der EWG sowie der internationalen Entscheidungsprozesse. Laut Kosthorst funktioniert der breite Ansatz und erschließt dem Leser ein bislang unterschätztes Thema.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 30.01.2010
Dass die gemeinsame Agrarpolitik Frankreichs und Deutschlands kein Kuhhandel war und dass Agrarprotektionismus nicht erst im 20. Jahrhundert in Brüssel entstand, erfährt man unter anderem in Kiran Klaus Patels Studie "Europäisierung wider Willen", die Werner Bührer in höchsten Tönen lobt. Dem in Florenz lehrenden Historiker, der die Geschichte der Europäischen Union und der transatlantischen Beziehungen lehrt, ist es laut Bührer gelungen, die höchst komplizierte Geschichte der gemeinsamen Agrarpolitik der EWG unter Berücksichtigung der Rolle der Bundesrepublik Deutschland darzustellen. Mithilfe von umfangreichem Material, wie den Aktenbeständen des Bundeskanzleramts und anderer Ministerien, schafft Patel es, das Thema so anschaulich zu gestalten, dass es Bührer bei den über fünfhundert Seiten kein bisschen langweilig war.
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