Wie kann man die Realität begreifen, wenn schon ihre Begriffe nicht mehr begriffen werden? Das Eigentümliche an großen Begriffen wie "Demokratie", "Arbeit", "Religion", "Kultur" oder "Europa" ist, daß sie einer permanenten Banalisierung unterworfen sind: sie wurden zu bloßen Worten, die jeder im Munde führt, die aber nichts mehr bedeuten. Robert Menasse unternimmt dagegen eine permanente Revolution der Begriffe und zeigt: die Welt steht auf dem Kopf, wenn wir die Begriffe wieder auf die Füße stellen. Die Begriffe haben Recht - wir wissen es nicht, aber wir verwenden sie.
Eingenommen ist Rezensent Klaus Bittermann für Robert Menasses "Permanente Revolution der Begriffe". Obwohl vom Umfang her recht schmal scheint ihm das Buch, das sich mit Begriffen wie Arbeit, Demokratie usw. befasst, von eminenter Bedeutung. Ja, eine derart kluge Auseinandersetzung mit diesen von Medien und in öffentlichen Debatten vielfach banalisierten und ausgehöhlten Begriffen hat er selten gelesen. Bittermann geht insbesondere auf Menasses Auseinandersetzung mit dem Begriff der Arbeit ein, dessen ideogiegeschichtliche Entschlüsselung - von den Frühsozialisten bis zu Marx und Höß führt die "Arbeit" laut Menasse direkt zu Sklaverei und Auschwitz - hat den Rezensenten sichtlich beeindruckt hat.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 04.02.2010
Mit großem Genuss hat Franz Schuh dieses Buch gelesen, den allein schon sein Untertitel "Vorträge zur Kritik der Abklärung" in Hochstimmung versetzt. Auch stellt er bei der Lektüre ein weiteres Mal fest, das speziell Robert Menasse die "alte österreichische Verbindung" von Wahrheit und Kalauer "vorbildlich" beherrscht. Aber Schuh lernt darüber hinaus auch tatsächlich das "Diskutieren von Begriffen" mit diesem Buch, wie er schreibt, dem bei manchem erläuterten Begriff es nämlich wie Schuppen von den Augen fiel.
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