Bücherschau der Woche
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Aus dem Archiv
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Kommentierte Linkliste zu internationalen Zeitungen, Zeitschriften und Verlagen.
Klappentext
Die Astrophysikerin Harriet, halbindisch, mathematikbegeistert, macht in ihrem Beruf aus wissenschaftlichen Daten schöne kosmische Bilder, ein wenig Lüge darf dabei schon sein. Auch zuhause scheint alles gut eingerichtet mit Partner Ash und Ben, dessen Sohn aus einer früheren Beziehung. Doch dann fährt Ash mit dem Auto ausgerechnet die Frau von Harriets Jugendliebe an, und Peter, der Mann, den sie längst vergessen zu haben glaubte, tritt von neuem in ihr Leben. Ein vermeintlich harmloses Liebesgetändel beginnt: Man ist ja offen, Heimlichkeiten und Eifersucht sind antiquiert, man verhält sich den Klischees der Gefühlswelt gegenüber abgeklärt. Doch Ulrike Draesner schickt die Heldinnen und Helden ihres neuen Romans in ein irrlichterndes Labyrinth aus romantischen Verwicklungen, das eine der Figuren nicht lebend verlassen wird.
BuchLink. In Kooperation mit den Verlagen (Info):
Ulrike Draesner: "Vorliebe" - Leseprobe bei Luchterhand
Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 20.07.2010
Rezensent Thomas Steinfeld geht hart ins Gericht mit diesem neuen Roman von Ulrike Draesner. Er erkennt auf Konstruktivismus und Kitsch, und gibt es keine mildernden Umstände. Draesner, entnehmen wir Steinfelds Ausführungen, lasse bei einem Unfall einen Ingenieur, eine Astrophysikerin, einen Pfarrer und eine Künstlerin aufeinandertreffen, und sehe dann dabei zu, wie in dieser Versuchsanordnung Kunst und Wissenschaft, Technik und Glaube miteinander in Verbindung treten. Nach eigenem Bekunden hätte sich Steinfeld diese "kleine Typentragödie" gefallen lassen, wenn Draesner genug Wirklichkeit beigegeben hätte. Doch für seinen Geschmack hat Draesner hier zu sparsam dosiert, dafür dann aber bei den Allegorien und symbolischen Überhöhung zu reichlich. Dass Draesner dann auch noch die Liebe zur Urkraft hochstilisiere und mitunter sprachlich heikel agiere ("oh weiches Wolfsfell, oh sanfte Wolfszunge"), gibt dem ungehaltenen Rezensenten den Rest.
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Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 01.06.2010
Hin und weg ist Roman Bucheli von Ulrike Draesners Roman um die Astrophysikerin Harriet, die aus ihrer wohlgeordneten, pragmatischen Alltagswelt gerissen wird, indem sie einer Jugendliebe wieder begegnet. Die wesentlichen Dinge, erfahren wir, werden bei der Autorin im Beiläufigen und Ungesagten versteckt, und der Rezensent ist besonders fasziniert von der fasst unmerklichen Mehrdeutigkeit, die sich noch in den alltäglichsten Dialogen der Protagonisten entfaltet und den Sätzen so etwas wie einen "Oberton" des "Unnennbaren" anklingen lässt. So kommt erst nach und nach durch den Einbruch der Vergangenheit in das Leben Harriets das Erbe des verlorenen indischen Vaters, eines "Träumers" und "Phantasten", zum Vorschein, der der Rationalität der Tochter die verschüttete Transzendenz zurückbringt, erklärt der Rezensent. Er preist die erzählerische "Souveränität" und Subtilität dieses nur auf den ersten Blick als Liebesroman erscheinenden Buchs, das "im Kern" die Verwandlung und Selbstfindung einer Wissenschaftlerin beschreibt, wie er betont. Und hier wird der Roman für den begeisterten Bucheli auch zum Versuch über die "Rückgewinnung des Himmels für die Poesie".
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Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 06.02.2010
Mit Lob überschüttet Rezensent Rolf-Bernhard Essig den neuen Roman von Ulrike Draesner. "Vorliebe" ist für ihn ein Werk, das auf verschiedenste Weise lesbar ist: als ergreifende Liebesgeschichte, als Bildungsroman, als philosophischer Roman über Wahrheit, Täuschung und das Wissbare und als "spielerisches Experiment mit grausamen, grotesken und lustigen Elementen". Nicht zuletzt erinnert ihn das Buch an Goethes "Wahlverwandtschaften", auch wenn die Autorin die Liebe überkreuz zu viert nicht aus, sondern nur anspiele. Bewundernd äußert sich Essig über die Komposition des Romans, die Sprachlust der Autorin, die Fülle von Verweisen und Motiven, das produktiv Verwirrende des Buchs. Besonders die "dramatischen Szenen" scheinen ihm klar, spannend und intensiv.
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Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 30.01.2010
Restlos überzeugt hat dieser Liebes- als "Vorliebe"-Roman die Rezensentin Nicole Henneberg. Die Geschichte, die Ulrike Draesner darin erzählt, ist ersichtlich dem großen Vorbild von Goethes "Wahlverwandtschaften" nachgeformt. Zwei Paare verlieben sich über Kreuz: die Mathematikerin Harriet in den protestantischen Priester Peter; Harriets Freund Ash in die Pfarrersfrau Maria. Gut ausgehen wird es, auch a la Goethe, nicht. Wie es Draesner gelinge, die Klischees ihrer Grundkonstellation subtil zu transzendieren, das kann die Rezensentin nur mit Bewunderung konstatieren. In superlativischer Manier lobt sie den "Sprachwitz" ebenso wie die "Eleganz" der Autorin.
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09.02.2012: In "Blaue Stunden" erinnert sich die amerikanische Autorin Joan Didion an ihre Tochter, daran, wie es war, sie aufwachsen zu sehen und Abschied zu nehmen, als sie mit 39 Jahren starb. Es ist eine persönliche Bilanz über Erinnerung und Alter. Lesen Sie hier einen Auszug. Mehr lesen
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