Schwärme haben Konjunktur. Ihr Versprechen liegt in einer Organisation, die eine radikale Alternative zu den traditionellen Formen des Politischen, des Denkens und Rechnens darstellt. Sie sind Modelle alternativer Steuerungslogiken. Als Kollektive ohne Zentrum sind sie freier, kreativer und effizienter - aber auch bedrohlich und unkontrollierbar. Der Band liefert Elemente einer Wissensgeschichte des Schwarms - von der Ameisenforschung bis zur Computersimulation. Die Beiträge fragen nach der Epistemologie des Schwarms zwischen Leben und digitaler Technik und zeichnen die Geschichte der Übertragungen zwischen Tier-Kollektiven und Menschen-Gemeinschaften.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 18.01.2010
Thomas Thiel hat diesen kulturwissenschaftlichen Sammelband, der das Schwarmprinzip in guter epistemologischer Manier zu erklären sucht, mit Gewinn gelesen. Was hält die Organisationsform des Schwarms im Innersten zusammen? Was fasziniert daran? Ist es die flexible Anpassung an die Umgebung, das Fehlen einer zentralen Steuerungsinstanz? Wenn die Autoren bei ihren Erklärungsversuchen Biologie und Technologie in den Blick nehmen und das Phänomen als politisch-soziales Handeln untersuchen, ist er dankbar für eine weitgehend differenzierte Sicht auf die verschiedenen Schwarmtypen (z. B. Bienenschwarm und Flashmob). Gelernt hat er dabei, dass Schwärme zwar über hohe Geschmeidigkeit und Anpaasungsfähigkeit verfügen, aber durch ihr unsystematisches Vorgehen bleiben sie in ihrer Effizienz begrenzt. Eher blass findet er den "Rücktransfer" der gemachten Erkenntnisse auf die politische Ebene. "Rätsel und Unbehagen" bleiben.
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