Perlentaucher - Das Kulturmagazin

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zuletzt aktualisiert 12.02.2012, 14.50 Uhr

Bücherschau der Woche

Hatten Sie in den letzten Tagen keine Zeit, die Zeitung zu lesen oder bei uns vorbeizuschauen ? Macht nichts, denn hier können Sie unsere Rezensionsnotizen der letzten sechs Erscheinungstage nach Zeitung oder Themen sortiert abfragen.

Literaturbeilagen

All unsere Notizen zu den Buchkritiken in den Literaturbeilagen von FAZ, FR, NZZ, SZ, taz und Zeit.

Aus dem Archiv

Links

Kommentierte Linkliste zu internationalen Zeitungen, Zeitschriften und Verlagen.

Christian Linder

Das Schwirren des heranfliegenden Pfeils

Heinrich Böll. Eine Biografie

Cover: Das Schwirren des heranfliegenden Pfeils

Matthes und Seitz, Berlin 2009
ISBN-10 3882216565
ISBN-13 9783882216561
Gebunden, 616 Seiten, 29,90 EUR

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Klappentext

Mehr als dreißig Jahre nach einer Begegnung mit Heinrich Böll geht Christian Linder in dieser Biografie der Frage nach, welcher Mensch sich hinter dem bekanntesten deutschen Autor verbarg: 1917 in Köln geboren, Soldat der Wehrmacht, Kriegsgefangenschaft, gefeierter Autor der Gruppe 47, Präsident des PEN, Literaturnobelpreisträger, politisches Engagement, Tod 1985 - das sind nur die Eckdaten einer gemessen an der literarischen Bedeutung letztlich unbegreiflichen Karriere. Welche Motive liegen diesem Leben und Schaffen zugrunde, das Böll selbst am Ende seines Lebens als gescheitert betrachtete? Welche Überzeugungen und Schmerzen? Welcher Hass trieb ihn an, welcher Glaube?

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 30.03.2010

Mit Lob bedenkt Jochen Schimmang diese Biografie Heinrich Bölls, die Christian Linder vorgelegt hat. Er schätzt den Autor für seine "bis heute lesenswerten" Essays über deutschsprachige Schriftsteller der Gegenwart, denen er sich mit den Fragen "Wovon reden die Bücher? Wer schreibt sie? Warum?" angenähert habe. Auch in vorliegender Böll-Biografie fördert Linder zur Freude des Rezensenten anhand dieser Fragen eine Menge über Böll zutage, vor allem über die Erfahrungen des Schriftstellers, die in sein Werk eingegangen sind und die er mit seinen Lesern teilte. In diesem Zusammenhang nennt er unter anderem die Kindheit des Schriftstellers, die Familie, die Mutter, die Erfahrung des Kriegs, sein Soldatendasein. Linder zeigt für ihn auch auf, wie Böll bei aller Larmoyanz anschlussfähig bleiben konnte. Sein Fazit: eine packende Biografie, die mehr von Bölls Leben erzählt, "als wir bisher vielleicht gewusst haben".

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Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 17.02.2010

Als Biografie enttäuschend und als essayistisches Porträt von Heinrich Böll durch persönliche Abgrenzungsbemühungen getrübt, beurteilt Burkhard Müller äußerst unzufrieden Christian Linders Buch. Linder, der 1975 ein drei Tage währendes Gespräch mit dem Nobelpreisträger führte, wobei offensichtlich so etwas wie ein "Vater-Sohn-Verhältnis" entstand, hat hier Privates abgearbeitet, da ist sich der Rezensent sicher. Wie sonst wäre zu erklären, dass der Autor so harsche Urteile über das Werk fällt, Böll intellektuelle Defizite vorwirft und überhaupt in hohem Maße "unfair" mit seinem Sujet umgeht? Um als wirkliche Lebensbeschreibung durchzugehen, fehlt dem Buch in Müllers Augen zudem ein Interesse an den äußeren Lebensdaten und eng mit dem Schriftsteller verbundenen Personen. Völlig blind zeigt sich der Autor gegenüber dem Humor und der "soziologischen Scharfsicht" in Bölls Werk, stellt der Rezensent außerdem missmutig fest. Und so ist er am Ende nur froh, dass Linder so ausgiebig aus den Texten Bölls zitiert, dass diese Biografie wenigstens als "Böll-Fibel" zu nutzen ist und die Werke in Erinnerung bringt, denen Müller schließlich dauerhafte Wirkungskraft zuspricht.

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Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 16.12.2009

Rupert Neudeck ist angetan von diesem "dicken Buch" über den großen Autor und Moralisten Heinrich Böll. Obgleich er in Christian Linders Biografie nichts Hagiografisches erkennt, sondern eine durchaus kritische Sicht, liest er Bewunderung heraus für den rheinischen Katholiken mit dem Faible für Kaffee und Tabak und Alkohol und dem untrüglichen Gespür für moralische Verkommenheit, besonders in Bezug auf die Schrecken des Krieges und ihr unerträgliches Nachleben in Gestalt von Nazis wie Kurt Georg Kiesinger, wie sich hier nachlesen lässt. Obwohl Neudeck dem Buch mit seinen raumgreifenden "liebevollen Recherchen" etwas Unzeitgemäßes attestiert, nein, gerade deshalb - schätzt er es hoch.

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