Aus dem Polnischen von Renate Schmidgall und Olaf Kühl. "Auf den Schrottplatz kommst du nicht", sagt Grzesiek zu seiner orangen Syrena, in der er mit Kupferdrahtrollen an der polnisch-slowakischen Grenze unterwegs ist. "Ich finde schon jemanden für dich. Vielleicht einen Rentner. Er wird für dich sorgen, und ihr werdet zusammen alt werden." Wie die berühmten Galizischen Geschichten spielt auch Winter unter Menschen in einer armen Gegend, deren Bewohner nach der Wende auf der Strecke geblieben sind. Sie leben in einer großen Stille. Überall in der Landschaft liegen kaputte oder ausrangierte Gegenstände herum, "von Leere durchweht", ihres Sinns beraubt. Ob es einen eschatologischen Mechaniker gibt, der mit einem himmlischen Schraubenschlüssel an ihrer Erlösung arbeitet? Andrzej Stasiuks Geschichten erzählen vom Geheimnis und von der Würde einer bald verschwundenen Welt.
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 24.02.2010
Laut Uwe Stolzmann verlegt der polnische Schriftsteller Andrzej Stasiuk den Handlungsschauplatz seiner neuen Erzählungen "Winter" wieder in die Landschaft des alten Galizien. Wie in seinem ersten Buch "Die Mauer von Hebron" beschreibt der in Warschau geborene Autor seine Wahlheimat auch diesmal in einer "Mischung aus Wahn und Wehmut, Plunder und Poesie", wie der Rezensent findet. Protagonisten der fünf Erzählungen sind ausschließlich Männer, die eigenwillig und verschroben ihr ödes Dasein in verwahrlosten Häusern hinter verschlossenen Pforten fristen und ihre Heimat nicht verlassen wollen, erklärt uns Stolzmann. Stasiuks Erzählungen, die immer wieder "den satten Westen mit Sprüchen über das Lebensgefühl am bröckelnden Rand des Kontinents" provoziert, empfiehlt der Rezensent wärmstens. Nach seiner Einschätzung ist die Landschaft des alten Galizien bei Stasiuk vor allem "der bald zynisch, bald tröstlich wirkende Gegenentwurf zum Kontinent der EU-Ideologen".
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 04.11.2009
"Winter", der bereits 2001 im polnischen Original erschienene Erzählungsband, lässt sich wie gewohnt als ein Stück "Road-Literatur" beschreiben und führt den eingefleischten Autofahrer Andrzej Stasiuk zu den Flohmärkten der polnischen Provinz, lässt Stefanie Peter wissen. Unter der Feder des polnischen Autors aber erlangen die auf den Flohmärkten feilgebotenen Waren eine fast "magische Dimension" und so sind seine Geschichten auch keine Reportagen, wie die Rezensentin betont, sondern literarische Erfindungen. Denn Stasiuks Liebe zu den abgelegten Dingen ist als "Poetologie" zu verstehen, bei ihm tritt deutlich der "Schriftsteller als Resteverwerter" hervor, der noch aus wertlosen Hinterlassenschaften Literatur macht, so Peter angetan.
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