Aus dem Englischen von Susanne Hornfeck. Seit der Bodenreform ist der Bauer Jin'gen sein eigener Herr, doch die Ernte reicht kaum, um ihn und seine Familie zu ernähren. Als der Landbevölkerung eine Sonderabgabe zugunsten der heldenhaften Soldatenfamilien aufgezwungen wird, steht ihre Existenz auf dem Spiel: Die Bauern werden elendig verhungern, wenn sie der Partei folgen- jener Partei, von der sie sich so viel erhofft hatten. In ihrer Not wagen die Dorfbewohner das Unmögliche, den Aufstand gegen die Machthaber- mit katastrophalen Folgen. Eileen Chang gelingt die ergreifende Schilderung menschlicher Not im Angesicht eines unerbittlichen politischen Willens. Ihr Roman erzählt eine zeitlose Geschichte von Hunger, Leid und Tod, aber auch von Hoffnung und Liebe.
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 08.12.2009
Tiefen Eindruck hat Eileen Changs Roman "Das Reispflanzerlied" bei Rezensent Ludger Lütkehaus hinterlassen. Er würdigt das Werk, das sich mit der kommunistischen Bodenreform auseinandersetzt und den Leser ins dörfliche China der Bauern in den fünfziger Jahren führt, als "dissonanten Klassiker der chinesischen Literatur" und als Roman von "bitterster Intensität". Das eigentliche Thema der Geschichte um das klägliche Schicksal einer Bauernfamilie ist für Lütkehaus weniger der Hunger, sondern die Veränderungen menschlicher Beziehungen unter den Bedingungen von Maos Revolution. Im Ganzen sieht er bei Chang einen "kühlen Realismus" vorherrschen, grundiert von "tiefer Melancholie". Zugleich hebt er auch den Sarkasmus, die Lakonik und den "unübertrefflichen satirischen Witz" der Autorin hervor. Lobend erwähnt er außerdem die Übersetung von Susanne Hornfeck, die auch die chinesische Zweitfassung des Werks miteinbezogen hat.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 17.10.2009
So ironisch wie durchaus auch tragisch war das Schicksal der 1920 geborenen Autorin Eileen Chang. Sie machte sich in China vor der Revolution einen Namen als Schildererin einer Gesellschaft, in der Dekadenzerscheinungen traditionelle Strukturen zu zerstören drohen. Von den Kommunisten wurden ihre allzu offenen Augen für gesellschaftliche Probleme gar nicht geschätzt, bald galt sie selbst als bürgerlich-dekadent. Sie verließ China, nach einem Aufenthalt in Hongkong, Richtung USA. Dort schrieb sie in englischer Sprache und veröffentlichte 1955 diesen Roman über das Leben in einem chinesischen Dorf Anfang der fünfziger Jahre. Geschildert wird nicht zuletzt der Zynismus, mit dem die kommunistische Propaganda - hier in Gestalt eines Filmemachers - das Bild einer heilen Welt zu zeichnen versucht. Es gibt eine von ihr selbst rückübersetzte chinesische Fassung, die aber manches abmildert. Die Rezensentin Anja Hirsch hält es für sehr richtig, dass sich die vorliegende Übersetzung nach der englischen Erstversion richtet. Sie hofft, dass Chang, die in den USA viel bekannter ist als hierzulande, mit dieser neuen Übersetzung endlich auch in Deutschland in ihrer Bedeutung erkannt wird.
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