Bücherschau der Woche
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Aus dem Archiv
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Klappentext
Aus dem Amerikanischen von Klaus Binder. J. Robert Oppenheimer (1904-1967), der "Vater der Atombombe", zählt zu den schillerndsten Figuren der jüngeren Zeitgeschichte. Oppenheimer leitete das streng geheime Manhattan-Projekt in der Wüste von New Mexico, wo am 16. Juli 1945 die erste Atombombe gezündet wurde. Kurz darauf starben in Hiroshima und Nagasaki mehr als 200 000 Menschen durch die neue "Wunderwaffe" - die Menschheit war ins Atomzeitalter eingetreten. Erschüttert von der Zerstörungskraft seiner Schöpfung, engagierte sich Oppenheimer fortan gegen den Einsatz nuklearer Waffen. Das machte ihn im Amerika der McCarthy-Ära verdächtig. Er geriet ins Visier des FBI, wurde als Spion der Sowjetunion verleumdet und musste den Staatsdienst quittieren. Sein Privatleben wurde an die Öffentlichkeit gezerrt, seine Wohnung verwanzt, sein Telefon abgehört. Erst 1963 rehabilitierte ihn Präsident Kennedy. Über dreißig Jahre hinweg haben die Autoren Interviews mit Oppenheimers Angehörigen, Freunden und Kollegen geführt, FBI-Akten gesichtet, Tonbänder von Reden und Verhören ausgewertet und Oppenheimers private Aufzeichnungen eingesehen.
Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 27.11.2009
J. Robert Oppenheimer war ein Mann von Widersprüchen: Ein brillanter, aber sprunghafter Physiker, ein Mann aber auch, der die Weltliteratur liebte. Einer, der den inneren Zirkeln der Macht nahestand und zugleich Freunde unter Kommunisten hatte. Einer, der opponiert und dann wieder nicht. Diesen Mann zu fassen zu bekommen gelingt, wie Rezensent Helmut Mayer findet, den Autoren dieser Biografie ausgesprochen gut. Sie kehren nämlich das Widersprüchliche, die "Ambivalenzen", so Mayer keineswegs unter den Teppich. Genau vollziehen sie die Bewegungen seines Lebenswegs nach - und die Rezension, die über weite Strecken zum biografischen Referat wird, folgt ihnen darin. Am Ende ist der Rezensent dann des Lobes voll und freut sich, dass die Geschichte eines Lebens hier nicht nur "hingebungsvoll detailliert" nachgezeichnet, sondern dabei auch noch "lebendig" wird.
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Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 11.11.2009
Großartig, packend, meisterlich geformt findet Urs Hafner die 2006 mit dem Pulitzerpreis ausgezeichnete Oppenheimer-Biografie von Martin J. Sherwin und Kai Bird. Dass Sherwin 30 Jahre Recherche hineingesteckt hat, ist dem Buch laut Hafner auf jeder Seite anzumerken. Zwar ist schon der Stoff allein preisverdächtig - Oppenheimers steile Karriere, das Drama seines Abstiegs in die innere Emigration -, doch die genaue, sachkundige Rekonstruktion des politischen wie auch des privaten Kontextes scheint dem Rezensenten erst den Durchblick zu vermitteln, um die Tragik und Größe dieses Lebens zu würdigen.
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Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 13.10.2009
Rezensent Willi Winkler hat diese Biografie Robert Oppenheimers offensichtlich mit großem Interesse gelesen, die im amerikanischen Original schon vor vier Jahren erschien. Allerdings gibt er nicht ganz zu erkennen, wie glücklich er mit ihr am Ende ist. Seiner Darstellung zufolge entwerfen die beiden Autoren, Kai Bird und Martin Sherwin, ein recht "widersprüchliches" Bild des Vaters der Atombombe, das bisher vor allem von Heinar Kipphardt oder Robert Jungk ("Heller als tausend Sonnen") geprägt war. Laut Bird und Sherwin jedenfalls hat Oppenheimer kein bisschen bereut, die Atombombe gebaut zu haben, auch wenn ihm nach Ende des Zweiten Weltkriegs vor dem Wettrüsten zwischen USA und Sowjetunion graute. Schließlich muss Winkler erkennen, dass Oppenheimer zwar die Republikaner im Spanischen Bürgerkrieg finanziell unterstütze (er hatte ein Vermögen geerbt) und auch für einige Kommunisten Sympathien hegte, dass er aber als tragischer Held im Kampf zwischen Geist und Macht nur bedingt taugt: "Oppenheimer verriet keine Atom-Geheimnisse, sondern seine Freunde."
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