Bücherschau der Woche
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Aus dem Archiv
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Kommentierte Linkliste zu internationalen Zeitungen, Zeitschriften und Verlagen.
Klappentext
Aus dem Amerikanischen von Anette Grube. In einer Provinzstadt weit weg von Peking soll die junge Gu Shan hingerichtet werden. Ihr Verbrechen: Sie, die während der Kulturrevolution fanatische Rotgardistin war, hat dem Kommunismus abgeschworen. Shans Tod wird weitreichende Konsequenzen haben. Nicht nur für ihre Eltern, sondern auch für die Rundfunksprecherin Kai, die längst an der Partei zweifelt; für die verkrüppelte Nini, die wie eine Sklavin gehalten wird; oder für den kleinen Tong, der nur von seinem Hund Liebe bekommt. Yiyun Li zeichnet ein plastisches Bild der Ereignisse in China am Ende der siebziger Jahre, die heute wieder von beklemmender Aktualität sind. Ihr Roman ist ein universelles Porträt von menschlichem Leiden und menschlichem Mut.
BuchLink. In Kooperation mit den Verlagen (Info):
Yiyun Lis Die Sterblichen - Leseprobe bei Hanser
Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 22.12.2009
Als "finster-wuchtiges" Romandebüt würdigt Andreas Breitenstein dieses Werk der in Peking geborenen, heute in den USA lebenden Schriftstellerin Yiyun Li. Das Buch ist für ihn ein ebenso beklemmendes wie berührendes Porträt der durch das Wüten des Maoismus entwurzelten, seelisch schwer beschädigten chinesischen Gesellschaft, in der Gewalt, Verrat, Verkommenheit, Armut, Willkür, Angst, Verbrechen, Schuld, Korruption und Depression herrschen. "Ganz nah rückt es einem auf den Leib", so der Rezensent, "und atmet doch eine durchdringende Offenheit." Im Mittelpunkt der in der Planstadt Hun Jiang angesiedelten Geschichte sieht er die öffentliche Hinrichtung einer "Konterrevolutionärin". Wie Li diese Geschichte erzählt - mit "straffer Ökonomie" und im Wechsel verschiedener Perspektiven - hat ihn sehr beeindruckt. Er bescheinigt der Autorin, die düstere Realität der Stadt Hun Jiangs überzeugend in ein "komplexes Personengeflecht" aufzufächern. Auch die durch Lakonie und einige "poetische Spitzen" gekennzeichnete Sprache und den sachlichen Blick Lis bedenkt er mit Lob. Sein Fazit: ein wichtiges, mutiges und "schwindelerregendes" Buch.
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Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 14.10.2009
Dass der Tod nicht das Schlimmste ist, was einem widerfahren kann, dass niemand ohne Schuld ist in einem auf Tyrannei und Verrat aufgebauten System, das lernt Rezensentin Sandra Kegel in diesem Roman. Wer dieser Tage über China lesen will, dem empfiehlt Kegel die Lektüre. Zwar verschweigt die Rezensentin nicht die Hoffnungslosigkeit, in der das Buch den Leser belässt, nicht die Grausamkeit der Schilderungen aus dem postmaoistischen China, beginnend mit dem Jahr 1979. Doch die Kunst der jungen, in den USA lebenden gebürtigen Chinesin Yiyun Li erscheint ihr groß genug, die Verstörung zu tragen. Lis nüchtern-dokumentarischer Blick, ihre lakonische, doch eindringliche Sprache und die unvergesslichen Bilder, die sie der Rezensentin einpflanzt, lassen dieses Buch für sie zum Ereignis werden.
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Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 13.10.2009
Ulrich Baron hat dieser Debütroman der 1972 in Peking geborenen und seit 1996 im amerikanischen Exil lebenden Yiyun Li tief beeindruckt. Er spielt in der vor 20 Jahren mit Maos "Großem Sprung" entstandenen Stadt Hun Jiang, und in seinem Zentrum steht die Hinrichtung der ehemaligen glühenden Rotgardistin Shan, die im Gefängnis den Verstand verloren hat, erklärt der Rezensent. Recht detailliert macht er sich daran, die Handlung nachzuerzählen, die tief in die Finsternis des kommunistischen Chinas führt, wie er feststellt. Dabei beeindruckt ihn das "Unausgesprochene" des Romans, etwa wenn sich die ganze Tragödie der zerrissenen Familie Shans darin entfaltet, dass sie über einen harmlosen Scherz nicht mehr gemeinsam lachen kann, fast noch mehr als das "Ausgesprochene", das manchmal von bestürzender Rohheit ist. Das "Grauen" des postmaoistischen China stellt die Autorin aber stets mit vollendetem "Stilgefühl", in größter erzählerischer Ökonomie und in vielschichtiger Verknüpfung der Einzelschicksale dar, lobt der Rezensent. Damit erweist sich Li in seinen Augen als eine "Meisterschülerin" des irischen Schriftstellers William Trevor, den sie auch als ihr Vorbild angibt. Der Roman erzählt komplex und erschütternd eine "sehr chinesische Geschichte", der begeisterte Baron lässt aber keinen Zweifel daran, dass wir es mit einem Stück "Weltliteratur" zu tun haben.
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