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Klappentext
Aus dem Türkischen von Gerhard Meier. Kurz vor dem Militärputsch im September 1980: Drei Geschwister verbringen eine Ferienwoche im alten Haus ihrer Großmutter Fatma am Marmarameer. Nilgün liest Turgenjew und träumt von einer Revolution in der Türkei, ihr Bruder Metin von einer Zukunft in den USA. Faruk, der Älteste, ist über die Trauer um seine geschiedene Frau zum Trinker geworden. Vor dem Hintergrund einer explosiven politischen Lage schildert der Nobelpreisträger Orhan Pamuk in diesem Frühwerk eine verlorene Jugend, die nach ihrem Platz in der Welt sucht und ihn nicht findet.
BuchLink. In Kooperation mit den Verlagen (Info):
Lesen Sie einen Auszug aus Orhan Pamuks neuem Roman Das stille Haus
Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 31.10.2009
Außerordentlich ambitioniert ist dieser nun in deutscher Übersetzung erschienene frühe, der zweite Roman Orhan Pamuks. Überdeutlich wird es für den Rezensenten Wolfgang Schneider, dass der Autor hier in Richtung "Weltliteratur" zielt. Und obwohl dabei kein "perfektes Meisterwerk" herausgekommen ist, ein sehr beeindruckendes Buch sei es dennoch. Aus inneren Monologen besteht es. Perspektivisch entsteht so das Bild einer Familie im Lauf eines Jahrhunderts. Die eigentliche Zentralfigur freilich kommt nicht als Ich-Erzähler zu Wort. Vielmehr gerät der tragische und lethargische Säkularierungsbefürworter Selahattin nur in den Beschreibungen seiner streng gläubigen und konservativen Witwe ins Bild. Psychologisch findet der Rezensent das nicht unbedingt glaubwürdig. Das türkische Drama, nämlich die Zerrissenheit zwischen traditionalen Beharrungskräften und dem Willen zum Fortschritt mit Blick Richtung Westen, gestalte Pamuk hier dennoch sehr überzeugend.
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Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 13.10.2009
Mit "Das stille Haus" von Orhan Pamuk hat man keineswegs ein "Jugendwerk" sondern schon einen mit allen Vorzügen seiner späteren Bücher ausgestatteten Roman vor sich, versichert Christoph Bartmann. Hinter der Grabesstille des Hauses, in dem drei Geschwister mit ihrer Großmutter leben, verbirgt sich natürlich Verdrängtes, erklärt der Rezensent. Wenn er irgendetwas bekritteln würde - was er aber nachdrücklich nicht tut - dann, dass das "Verborgene" vielleicht ein bisschen zu vorhersehbar ans Licht gebracht wird. Es ist ein politischer Roman, die Protagonisten stehen sich als Nationalisten, Atheisten, Kommunisten oder "Idealisten" gegenüber, erklärt der Rezensent. Begeistert stellt er fest, dass der Autor in diesem Frühwerk an Knappheit, Schmucklosigkeit und Konzentration sogar seine späteren Romane übertrifft, und er scheint es durchaus zu begrüßen, dass Pamuk in der vergleichsweise unkomplizierten Konstruktion seine Vorliebe für postmoderne Konstruktionen etwas in Zaum hält. Genauso angenehm berührt es Bartmann, dass der Autor nicht Partei ergreift, sondern in seinem Roman lediglich deutlich macht, dass Ideologien "die Welt zwar verändern oder erklären mögen", sie aber niemals ganz erreichen.
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Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 12.10.2009
Ein Frühwerk des türkischen Autors hat Rezensentin Angela Schader mit Orhan Pamuks "Das stille Haus" vor sich. Dabei hält sie sich mit einer Bewertung oder Kritik des Buches zurück und verlegt sich darauf, die Handlung des kurz vor dem Militärputsch 1980 in der Türkei spielenden Romans wiederzugeben: Aus den Perspektiven von fünf Erzählfiguren berichtet Pamuk vor allem von scheiternden Großvorhaben: Einerseits ist da das aufklärerische Enzyklopädieprojekt des längst verstorbenen Selahattin, an den sich seine Witwe erinnert. Andererseits ein von Details und Archivfunden ausgehender Geschichtsentwurf, den dessen Enkel Faruk sich vorgenommen hat. Beide treibt es, wie die Rezensentin beobachtet, in den Alkohol. Nihilismus sei ein Schlüssel zum Roman, befindet sie. In der Schilderung, wie dieser sich in den verschiedenen Figuren und der Gesellschaft manifestiert, erweist sich Pamuk bereits in diesem frühen Werk als "zärtlich und unbarmherzig", befindet sie.
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