Perlentaucher - Das Kulturmagazin

Anmelden | RSS | Newsletter

zuletzt aktualisiert 09.02.2010, 16.23 Uhr

Bücher der Saison

Eine Auswahl der interessantesten, umstrittensten und meist besprochenen Bücher der Saison.

Literaturbeilagen

All unsere Notizen zu den Buchkritiken in den Literaturbeilagen von FAZ, FR, NZZ, SZ, taz und Zeit.

Links

Kommentierte Linkliste zu internationalen Zeitungen, Zeitschriften und Verlagen.

Yan Lianke

Der Traum meines Großvaters

Roman

Cover: Der Traum meines Großvaters

Ullstein Verlag, Berlin 2009
ISBN-10 3550087497
ISBN-13 9783550087493
Gebunden, 364 Seiten, 22,90 EUR

Bestellen bei Buecher.de

Klappentext

Aus dem Chinesischen von Ulrich Kautz. Die Sonne geht unter über der chinesischen Provinz Henan und taucht das Tal in Rot. Ein toter zwölfjähriger Junge erscheint seinem Großvater in dessen Träumen und erzählt uns diese unglaubliche Geschichte: Vor vielen Jahren folgten die Bürger im Dorf Dingzhuang einem Aufruf der Regierung und verkauften ihr Blut. Ein besseres Leben wurde ihnen versprochen, und der Großvater, Lehrer und Dorfvorsteher, riet ihnen gut zu. Sein ältester Sohn organisierte den Handel, und für eine Weile zog tatsächlich ein wenig Wohlstand ein. Dann aber kam die Krankheit, die die einstigen Spender schlicht das Fieber nennen und die sie nun aus dem Leben weht wie tote Blätter von den Bäumen. Yan Lianke erzählt von einer Schicksalsgemeinschaft und ihrem zum Scheitern verurteilten Versuch, in einer extremen Situation menschlich zu bleiben. Und er setzt all jenen Menschen ein poetisches Denkmal, die dem in China bis heute vertuschten Aids-Skandal der 90er Jahre zum Opfer fielen.

Möchten Sie dieses Buch kommentieren?

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 14.10.2009

Als literarisches Denkmal für die Aids-Opfer des Blutspendenskandals in China Mitte der 90er Jahre findet Rezensent Michael Müller das Buch beeindruckend. Aber auch als Zeugnis des literarischen Talents und des Mutes des in China lange offiziell anerkannten Autors Yan Lianke gibt der vier Jahre nach seinem Erscheinen (und dem sofortigen Verbot) endlich auf Deutsch vorliegende Roman für Müller einiges her. Schließlich bricht Lianke mit seinem Thema ein Tabu. Die Geschichte um korrupte, gewissenlos handelnde Parteikader liest Müller als Mischung aus Roman und Dokument, verfasst, um die Geschehnisse bekannt zu machen. Die einfache, doch sehr direkte Sprache, findet Müller, passt dazu.

Lesen Sie den Originalartikel bei buecher.de
Gebraucht finden bei abebooks

Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 08.10.2009

Rezensentin Iris Radisch hat den chinesischen Autor Yan Lianke in Peking besucht und einen traurigen, einsamen und imponierenden Schriftsteller kennen gelernt. Seinen von der Zensur verbotenen Roman "Der Traum meines Großvaters" über einen Aidsskandal in seiner Heimatprovinz Henan, dem knapp eine Million Bauern zum Opfer fielen, hat die Rezensentin mit großer Anteilnahme gelesen und dabei festgestellt, dass er trotz des traurigen Sujets auch amüsant ist. Der Autor schildert, wie an Aids erkrankte Bewohner eines Dorfes eine Art "Sterbe-Wohngemeinschaft" gründen, und er geht deren Liebeleien, Intrigen und Alltagsproblemen nach, erklärt Radisch. In ihren Augen fällt der Text in seiner eigentümlichen Mischung aus Realismus, Groteske und Lakonie sowohl aus der "westlichen" als auch der "traditionellen" chinesischen Poetik heraus, und passt wohl so ganz gut zu der Isolation und der Trauer seines Autors, der nicht nach Frankfurt reisen durfte.

Bestellen Sie dieses Buch bei buecher.de
Gebraucht finden bei abebooks

Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 08.10.2009

Rezensentin Iris Radisch hat den chinesischen Autor Yan Lianke in Peking besucht und einen traurigen, einsamen und imponierenden Schriftsteller kennen gelernt. Seinen von der Zensur verbotenen Roman "Der Traum meines Großvaters" über einen Aidsskandal in seiner Heimatprovinz Henan, dem knapp eine Million Bauern zum Opfer fielen, hat die Rezensentin mit großer Anteilnahme gelesen und dabei festgestellt, dass er trotz des traurigen Sujets auch amüsant ist. Der Autor schildert, wie an Aids erkrankte Bewohner eines Dorfes eine Art "Sterbe-Wohngemeinschaft" gründen, und er geht deren Liebeleien, Intrigen und Alltagsproblemen nach, erklärt Radisch. In ihren Augen ist dieser Roman eine "gekonnte Synthese aus naivem Realismus, beißender Groteske und moderner Lakonie", der gewissermaßen zwischen China und dem Westen steht, und sich keiner länderspezifischen Poetik zuordnen lässt.

Bestellen Sie dieses Buch bei buecher.de
Gebraucht finden bei abebooks

Bücher von Lesern empfohlen

Buch: Havanna im SpiegelAlma Guillermoprieto: Havanna im Spiegel
Aus dem Spanischen und Englischen von Matthias Wolf. 1970 verließ die junge Mexikanerin Alma Guillermoprieto ...

Buch: Klar bin ich eine Ost-Frau!Martina Rellin: Klar bin ich eine Ost-Frau!
Martina Rellin hat sich mit Frauen aus dem Osten darüber unterhalten, was sie wirklich bewegt, wie sie ihr ...

Archiv: Bücherschauen

Das Gegenglück, der Geist

09.02.2010: Großer Bahnhof für J.M. Coetzee: Zu seinem Siebzigsten preisen FAZ, FR, NZZ und SZ den neuen autobiografischen Roman "Sommer des Lebens" als "grandios", "raffiniert" und "wahrste, kühnste und unterhaltsamste Literatur". Sehr lieb ist der NZZ die Anti-Hysterie von Arno Geigers Eheroman "Alles über Sally". Die taz feiert Amir Hassan Cheheltans großartigen Roman "Teheran Revolutionsstraße". Mehr lesen

Archiv: Vorgeblättert

Christopher Isherwood: Löwen und Schatten

08.02.2010: Großartig erzählt Christopher Isherwood in "Löwen und Schatten" von seiner Schul- und Studienzeit in London und Cambridge in den zwanziger Jahren, von seinen ersten Schreibversuchen und seinen ersten Freunden und Liebhabern. Hier eine Leseprobe. Mehr lesen

Miljenko Jergovic: Freelander

01.02.2010: Karlo Adum heißt der Held in Miljenko Jergovics neuem Roman "Freelander". Er ist ein pensionierter Lehrer und begibt sich eher widerwillig auf eine Irrfahrt durch Kroatien nach Bosnien und Herzegowina. Zu einer Testamentseröffnung. Lesen Sie hier einen Auszug.
Mehr lesen

Alain Mabanckou: Black Bazar

25.01.2010: Alain Mabanckou erzählt in seinem Roman "Black Bazar" sehr selbstironisch von den Träumen afrikanischer Männer, die in Paris ihr Glück suchen. Und hin und wieder auch einen Rückschlag verschmerzen müssen. Lesen Sie hier einen Auszug. Mehr lesen

Archiv: Buchautoren