Im Umgang mit Krisen hat der Osten Erfahrung: Der gesellschaftliche Umbruch nach 1989 brachte nicht nur viele Verbesserungen, sondern auch ungeahnte ökonomische, demografische und soziale Probleme, zu denen es bisher keine befriedigenden Lösungen gibt. Dort, wo die große Politik eher ratlos scheint, haben Menschen vor Ort die Krise als Chance und Herausforderung begriffen und neue, eigene Wege versucht. In den letzten Jahren sind etliche Projekte entstanden, die die alten Pfade verlassen und auf kreative, unkonventionelle Weise produktive Ansätze entwickeln und tatsächlich den Wandel befördern. Die Zahl der Akteure ist ebenso groß wie die Spannbreite der Bereiche, in denen sie Veränderungen auf den Weg bringen. Da sind große Wirtschaftsunternehmen mit innovativen Technologien, kleine Firmen der Kreativbranche, Kommunen mit ungewöhnlichen energetischen Konzepten. Es wird experimentiert mit Regionalwährungen und Bürgergeld, mit Ökodörfern und neuen Lebenskonzepten. Dreißig dieser "changemakers", die den Wandel selbst in die Hand nehmen, werden in dem Band vorgestellt. Ihre Erfahrungen können dazu beitragen, neue Lösungen auch in anderen betroffenen Regionen zu versuchen.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 02.10.2009
Rezensent Jens Bisky will keine falsche Euphorie schüren. Im Vergleich zum aktuellen Einheitsbericht jedoch erscheint ihm der in diesem Band mit Vorschlägen und Projekten für eine Zukunft in und für Ostdeutschland vorherrschende Tonfall angenehm selbstkritisch und prüfend. Gerade weil es keine Patentrezepte oder glatten Erfolgsgeschichten sind, die vorgestellt werden, sondern "kleine Befreiungsschläge und Auswege" aus der Misere, zum Beispiel die "Wächterhäuser" in Leipzig-Lindenau oder die Internetplattform Oderbruchpavillon, kann Bisky (und die Öffentlichkeit) etwas damit anfangen. So gesehen findet er den Band leider viel zu knapp geraten.
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