Bücherschau der Woche
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Aus dem Archiv
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Kommentierte Linkliste zu internationalen Zeitungen, Zeitschriften und Verlagen.
Klappentext
Eine Kindheit und Jugend in Mitteleuropa, als dieses Mitteleuropa nach dem Zweiten Weltkrieg gerade seine politischen und kulturellen Konturen neu eingeschrieben bekam: Ilma Rakusa geht in ihren Erinnerungen dem kleinen Mädchen nach, der Tochter eines slowenischen Vaters und einer ungarischen Mutter, deren Lebensstationen von einer slowakischen Kleinstadt über Budapest, Ljubljana, Triest nach Zürich und von da weiter ausgreifend nach Ost und West, nach Leningrad/Petersburg und Paris reichen. Die überall Fremde, Nicht-ganz-Zugehörige findet sehr früh schon ihre Heimat in der Musik, im Klavierspielen, und, mit der Entdeckung Dostojewskijs, in der Literatur, aber auch in der Bewegung, im Unterwegssein, im Reisen.
Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 04.02.2010
Einen Schleier von Fernweh und Wehmut, sowie dem Gefühl, aus dem eigenen Leben emigrieren zu müssen, nimmt Martina Meister über diesem Buch wahr, aus Kritikerinnensicht ein "sensibles Selbstporträt der Dichterin", mit dem Ilma Rakus endgültig in der deutschsprachigen Literatur angekommen ist. Es sei ein seltenes Buch, schreibt Meister auch, eines, das sie kaum in ein Genre fassen mag, aber am ehesten noch als "poetische Autobiografie" bezeichnen will. Es gehe um Vergangenheit und Geschichte, um historische Bruchstellen in einem Leben, das für die Kritikerin als "Lektion über das 20. Jahrhundert" in eine Art Allgemeingültigkeit gehoben wird. Rakusa arbeite mit den Bauprinzipien von Auslassung und Verdichtung, und fange so das, was sich gegen die Alltagssprache sperre, in Bilden und Worten ein.
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Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 17.11.2009
Sabine Berking hat sich, wie sie bekundet, gern auf Ilma Rakusas Meer der Erinnerung treiben lassen, das sich über Budapest, Ljubljana, Triest, Zürich und weiter erstreckt. Und während die 1946 in der Slowakei geborene Autorin ihre Erinnerungssplitter immer wieder an eine vor ihrer Zeit liegende Vergangenheit knüpft, ihr beispielsweise die Leningrader Kommunalwohnung Joseph Brodskys in den Sinn kommt, formiert sich so etwas wie ein Kaddisch auf ein halbes mitteleuropäisches Jahrhundert, das in Zeiten des Kalten Krieges eigentlich nicht sein durfte und heute verschwunden ist, so die Rezensentin gefesselt. Ihr fällt dabei durchaus auf, dass die politischen Verwerfungen jener Jahre sich in den Erinnerungen nicht niederschlagen, die Autorin während des Prager Frühlings oder der Studentenproteste vorzugsweise in der Bibliothek bei der Lektüre russischer Schriftsteller oder am Klavier anzutreffen ist. Berking haben die kurzen, in flüchtig-lakonischem Ton gehaltenen Erinnerungstexte gefallen, das lässt sie erkennen, der letzte Text zu einer Iranreise allerdings scheint ihr wie ein mutwilliger Anhang, auf den sie wohl lieber verzichtet hätte.
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Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 13.10.2009
Ein "fast musikalisches Ereignis" ist für den Rezensenten Volker Breidecker dieses Buch mit Erinnerungen an eine bewegte Kindheit. Die Prosa der 1946 in einer slowakischen Kleinstadt geborenen Autorin Ilma Rakusa, die über Ljubljana, Budapest und einem Vorort von Triest schließlich mit ihrer Familie in Zürich landete, ist in Stil und Syntax bestimmt vom Rhythmus der Schienen, stellt der Rezensent fest. Ihn begeistert dieser mal elegisch, mal wie ein Rap klingender Text, der sich so recht in kein Genre einordnen lasse und der ihm vielleicht deshalb so ungewöhnlich und reizvoll erscheint. Das zwischen Meeren gelegene Mitteleuropa, in dem Grenzen sich als nicht sehr stabil erwiesen haben und für Rakusas "Erinnerungspassagen" durchlässig werden, ist "selten so konkret" und anschaulich beschworen worden, rühmt Breidecker, für den das Buch ein wunderbares lyrisches Textgewebe darstellt.
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Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 23.09.2009
Beatrix Langer hat hingerissen in Ilma Rakusas Erinnerungsbuch geschwelgt und ist ihr begeistert auf der Reise in eine Kindheit ins mehrmals Staat und Sprache wechselnde (heute slowenische) Rimaszombat gefolgt, nach Budapest, ins bei Triest gelegene Barcola und nach Zürich. Genauso intensiv wie die poetische Aura dieser Erinnerungsorte haben die Rezensentin die Begegnungen mit der russischen Literatur und der Musik berührt, von denen die Autorin, die als Übersetzerin, Lyrikerin, Kritikerin und Essayistin hervorgetreten ist, berichtet. Diese bilder- und klanggesättigten Erinnerungen sind ein beeindruckendes, sehr atmosphärisches "Zeitgewebe", in der die Orte nicht scharf konturiert werden und so zur "Literatur werden", schwärmt die Rezensentin.
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