Bücherschau der Woche
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Aus dem Archiv
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Kommentierte Linkliste zu internationalen Zeitungen, Zeitschriften und Verlagen.
Klappentext
Aus dem Italienischen von Bruno Genzer. Ein einziger Tag in ihrer Kindheit, so scheint es, hat über ihr ganzes Leben entschieden. An einem solchen Tag verlor Alice für immer ihre Unbeschwertheit und das Vertrauen zu ihrem halsstarrigen Vater. Mattia hingegen verlor mit sechs Jahren seine Schwester, deren Hilfsbedürftigkeit er ein einziges Mal, für wenige Stunden, missachtet hatte. Seither quälen ihn Schuldgefühle, die er niemandem offenbart. Sieben Jahre später lernen Mattia und Alice sich auf dem Gymnasium kennen. Die Anziehungskraft zwischen den beiden scheint unwiderstehlich. Jeder erkennt im anderen die eigene Einsamkeit. Alice ist der einzige Mensch, dem Mattia wenigstens einmal seinen Schmerz zu offenbaren wagt. Und umgekehrt würde sie nie einen anderen als ihn bitten, das Tattoo von ihrer Haut zu entfernen, mit dem sie ihre inneren Wunden gleichsam übermalen wollte.
BuchLink. In Kooperation mit den Verlagen (Info):
Paolo Giordano: Die Einsamkeit der Primzahlen - Leseprobe beim Blessing Verlag
Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 10.03.2010
Mehr als ein Unterhaltungsroman mit psychopathologischer Komponente ist "Die Einsamkeit der Primzahlen" von Paolo Giordano für Barbara Villiger Heilig nicht. Obwohl die ersten zwei Kapitel des Debütromans laut Rezensentin einschlagen "wie Blitze", überzeugt das in Italien meistverkaufte Buch des vorigen Jahres Villiger Heilig nicht ganz. Der Leser begleitet das Erwachsenwerden der Protagonisten Mattia und Alice, die beide unter Kinheitstraumata leiden und in "defensiver Freundschaft" miteinander verbunden sind, wie die Rezensentin berichtet. Zur Zufriedenheit Villiger Heiligs lässt der 1982 geborene Physiker Giordano seine "Doppel-Ouvertüre" jedoch nicht mit der Zusammenführung der Hauptfiguren enden. Trotz der psychisch verkorksten Figuren, die die Rezensentin mit fortschreitender Lektüre genervt haben, bescheinigt sie dem Autor einen besonderen "Sinn für kindliche Nöte" und drückt ihr literarisch-realistisches Auge angesichts der vollen Ladung steifer Hinkebeine und magersüchtiger wie ritzender Teenager noch einmal zu.
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Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 19.02.2010
Nichts geringeres als eine Wende hin zu einer neuen Sensibilität vermutet Winfried Wehle angesichts des Bestsellererfolges von Paolo Giordanos Roman. Wie das? Für Wehle eröffnet Giordano mit seiner Geschichte zweier Gescheiterter, die im unverhofften Miteinander lebensgefühlsmäßig plötzlich richtig punkten, eine Schule des Sehens. Im Modus der Enthaltsamkeit sei der Text verfasst, schreibt Wehle. Populäre Leichtgängigkeit entpuppt sich für ihn als streng analytischer Blick auf das Schicksal, als Stil des Minimalismus a la Carver. Der unsentimentale Blick auf das Nebensächliche, die kleinen Dinge, bewirkt hier laut Wehle allerdings eine starke Verwandlung: Zu beziehungsreichen Symptomen dessen, was verschwiegen wird, werden sie.
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Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 16.09.2009
Rezensentin Maike Albath führt Paolo Giordanos Roman "Die Einsamkeit der Primzahlen" als zweiten großen italienischen Publikumserfolg neben Roberto Savianos Camorra-Report "Gomorrha" ein - und als sein Gegenstück. Anstelle eines Doku-Romans, der die Gesellschaft in ihren extremen Auswüchsen darstelle, liest sich "Die Einsamkeit der Primzahlen" zunächst als "eher konventioneller Entwicklungsroman" mit der bürgerlichen Familie im Mittelpunkt, resümiert die Rezensentin. Entsprechend des Buchtitels entfalte sich der Roman auf seinen etwas über 350 Seiten "mit mathematischer Präzision punktuell": Die Geschichte der beiden Helden Alice und Mattia von der Kindheit bis zum Erwachsenenalter werde dabei immer abwechselnd und nur für besondere Momente erzählt. Giordanos Stil erinnert Albath bei der Lektüre vor allem an amerikanische Erzähler wie Raymond Carver und Michael Cunningham; sie ordnet Giordano auch eher einer Kinoästhetik als moderner Experimentalliteratur zu. Zwischen einer quälenden Naivität in der Sprache und einem "starken identifikatorischen Sog" sieht Albath möglicherweise die Stimme einer jungen italienischen Generation.
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