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zuletzt aktualisiert 12.02.2012, 21.04 Uhr

Bücherschau der Woche

Hatten Sie in den letzten Tagen keine Zeit, die Zeitung zu lesen oder bei uns vorbeizuschauen ? Macht nichts, denn hier können Sie unsere Rezensionsnotizen der letzten sechs Erscheinungstage nach Zeitung oder Themen sortiert abfragen.

Literaturbeilagen

All unsere Notizen zu den Buchkritiken in den Literaturbeilagen von FAZ, FR, NZZ, SZ, taz und Zeit.

Aus dem Archiv

Links

Kommentierte Linkliste zu internationalen Zeitungen, Zeitschriften und Verlagen.

Robert Menasse

Ich kann jeder sagen

Erzählungen vom Ende der Nachkriegsordnung

Cover: Ich kann jeder sagen

Suhrkamp Verlag, Frankfurt am Main 2009
ISBN-10 351842114X
ISBN-13 9783518421147
Gebunden, 189 Seiten, 17,80 EUR

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Klappentext

Alles kommt wieder. Sogar die Erinnerungen. Wann war sie zu Ende, die Nachkriegsordnung? Als die Mauer fiel? An diesen 9. November 1989 wird sich das junge Paar, das die Hochzeitsnacht vor dem Fernseher verbrachte, ein Leben lang erinnern. Es hat in dieser Nacht deutsche Geschichte erlebt. Zufällig. Denn eigentlich wollten sie nur so schnell wie möglich heiraten. Und der nächste freie Termin beim Standesamt war der 9. November. Der 9. November war für den Vater des Bräutigams bis dahin mit dem Jahrestag der "Reichskristallnacht" verknüpft. "Pah, Geschichte", sagt der Nachgeborene."Ich" kann jeder sagen. Dreizehn Ich-Erzähler erinnern sich an Erlebnisse und Ereignisse, die prägend wurden für ihr Leben. Erinnerungen an den Tag, als John F. Kennedy erschossen wurde, als die RAF in Wien den Industriellen Palmers entführte, als Griechenland Fußball-Europameister wurde.

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 06.10.2009

Sehr angetan wirkt Rezensent Karl-Markus Gauß vom neuen Erzählungsband Robert Menasses, der in seinen 13 Geschichten die "Schnittstelle zwischen historischem Ereignis und persönlicher Erfahrung" ins Auge fasst und die Frage stellt, inwieweit das Wissen, dabei gewesen zu sein, das eigene Leben prägt. Der Rezensent stellt angeregt große Freude am Sprachspiel und einen ausgeprägten Witz in diesen Erzählungen fest und findet, dass der österreichische Autor sehr "erhellende Bezüge" zu den historischen Ereignissen herstellt. Als Beispiel für die gelungene Erzählweise Menasses führt Gauß die Erzählung "Die blauen Bände" an, in dem ein Antiquar davon profitiert, dass sich die Wiener Intellektuellen nach der Ermordung Palmes flugs ihrer Marx-Engels-Ausgaben entledigt, die er ihnen später, als sie sich heftig um den antiquarischen Wiedererwerb bemühen, maliziös vorenthält. Intelligent, so Gauß, sind die Texte außerdem.

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Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 06.10.2009

Rezensent Gerhard Schulz macht einen Trend zu Erzählungsbänden aus, die, indem die einzelnen Texte thematisch verbunden sind, sich der großen Form des Romans anzunähern suchen und ihr mitunter sogar Konkurrenz machen. In dieser Kategorie sieht Schulz auch Robert Menasses Buch "Ich kann jeder sagen", wobei er sich durch die vermeintliche Durchsichtigkeit des Titels genauso "provoziert" fühlt wie durch die Undurchsichtigkeit des Untertitels, der die Erzählungen alle in eine Zeit der "Nachkriegsordnung" verlegt. Überhaupt würde er die Klärung dieser Fragen gern einem Germanistenseminar überlassen. Soviel wird dem Rezensenten jedoch klar, die Texte sind alle mit herausragenden historischen Ereignissen oder mit der jüdischen Familiengeschichte der Menasses verbunden. Manchmal scheint Schulz diese Verbindung allerdings allzu angestrengt und mitunter kollidiert sie merklich mit der "Banalität des erzählten Stoffes oder Inhalts ", wie er moniert. So finde sich der Autor öfter mal in "theoretischen Erklärungsnöten" was den thematischen Zusammenhang der Erzählungen angeht. Trotzdem haben Schulz einige Erzählungen, die mit den Mitteln des "Schocks" oder der Komik arbeiten, gut gefallen, beispielsweise wenn der Autor von einer jüdischen Familie erzählt, die als Schimpansen verkleidet im Amsterdamer Zoo überlebt.

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Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 11.09.2009

Rezensent Andreas Dorschel ist begeistert von diesen Erzählungen Robert Menasse. Die auf den ersten Blick "kunstlose sprachliche Oberfläche seiner Prosa" regt bei ihm tatsächlich um so mehr die "Neugier" an, ein Wissenwollen und zudem ein Nachdenken über Sprache. Ein zentrales Thema in Menasses Erzählungen ist das "zeitliche Zusammenfallen" von kollektiven und privaten Ereignissen. Er erforscht nach Dorschel Meinung mit "bestechender Intelligenz" und auf eine sehr überzeugende Art und Weise, wie sich diese zufällig kollidierenden Ereignisse zueinander verhalten - nämlich ohne den logischen Zusammenhang, der ihnen gerne unterstellt wird.

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