Ein Blick auf die Herkunft und Psychologie des lauten Lesens zeigt allerdings, dass schon seit der Antike bei Vortragenden wie Zuhörenden Genuss und Qual nahe beieinander liegen. Bis heute fasziniert, irritiert und verärgert das Phänomen des laut gelesenen Textes gleichermaßen. Die vorliegende Studie führt mit liebevoller Detailkenntnis und unterhaltsamer Leichtigkeit durch die Weltliteraturgeschichte des Vorlesens. Dabei fördert sie einen facettenreichen Anekdotenstoff von professionellen und ungeschulten Vortragsstimmen und ihren Lesungen zutage. Von Homer bis Virginia Woolf, von Platon bis Adorno berichten die unterschiedlichsten Autoren und Autorinnen von populären Leserunden und Tête-a-Têtes, Theater-Sprechproben, akademischen Vorlesungen und den berühmt-berüchtigten Autorenlesungen.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 08.09.2009
Lothar Müller preist Severin Perrigs Geschichte des Vorlesens von der Antike bis zur Gegenwart, und er sieht darin sogar die verschriene Fußnote rehabilitiert. Das Buch des in der Schweiz Literaturwissenschaft und Ethnologie lehrenden Universitätsdozenten präsentiert sich als anregende Anthologie von Texten der Weltliteratur rund ums Vorlesen mit "kenntnisreichen" Kommentaren, teilt der Rezensent mit. Da Perrig nicht alle schönen Texte zum Thema im Haupttext unterbringen konnte, bietet er in den Fußnoten weiterführende Literatur und Hinweise, die neugierig machen, freut sich Müller. Besonders interessant erscheinen ihm die Querverweise, die der Autor vom modernen Poetry Slam und vom Hörbuch zu vergangenen Literaturepochen zieht, wie sein schönes Zitat Cyrano de Bergeracs in der Einführung ins Zeitalter des Grammophons.
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