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zuletzt aktualisiert 11.02.2012, 21.01 Uhr

Bücherschau der Woche

Hatten Sie in den letzten Tagen keine Zeit, die Zeitung zu lesen oder bei uns vorbeizuschauen ? Macht nichts, denn hier können Sie unsere Rezensionsnotizen der letzten sechs Erscheinungstage nach Zeitung oder Themen sortiert abfragen.

Literaturbeilagen

All unsere Notizen zu den Buchkritiken in den Literaturbeilagen von FAZ, FR, NZZ, SZ, taz und Zeit.

Aus dem Archiv

Links

Kommentierte Linkliste zu internationalen Zeitungen, Zeitschriften und Verlagen.

Stephan Thome

Grenzgang

Roman

Cover: Grenzgang

Suhrkamp Verlag, Frankfurt am Main 2009
ISBN-10 3518421166
ISBN-13 9783518421161
Gebunden, 453 Seiten, 22,80 EUR

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Klappentext

Alle sieben Jahre steht Bergenstadt kopf: Man feiert Grenzgang, das traditionelle dreitägige Volksfest, und dabei werden nicht nur die Gemeindegrenzen abgeschritten. Auch abends im Festzelt wird ausprobiert, wie weit man gehen kann. Alle sind dabei, nur zwei stehen am Rand: Thomas Weidmann und Kerstin Werner. Er ist nach gescheiterter Uni-Karriere als Lehrer ans Gymnasium Bergenstadt zurückgekehrt. Sie versorgt nach gescheiterter Ehe ihre demenzkranke Mutter und hat Ärger mit ihrem pubertierenden Sohn. Vor sieben Jahren beim letzten Grenzgang sind sich die beiden schon einmal begegnet, und damals ist etwas passiert, woran sich die beiden auch noch bei diesem Fest nur mit gemischten Gefühlen erinnern.

Rezensionsnotiz zu Die Tageszeitung, 14.10.2009

Mit viel Sympathie hat Rezensent Dirk Knipphals diesen Debütroman von Stephan Thome gelesen. Zwar macht er einige sprachliche Schwächen aus und eine Erzählerstimme, die viel zu dick aufträgt, aber: "Die Stärken überwiegen um Längen." Thome hat diesen Provinzroman geschrieben, während er, und das macht für Knipphals die Pikanterie aus, als Universitätsdozent in Taipeh arbeitete. Aber diese Provinz erscheint Knipphals eh recht modern: Mit sich identisch sei hier nicht einmal mehr die Bäckersfrau! Und schon gar nicht die beiden Hauptfiguren, die sich ihre Leben "im höchstens Halbgeglückten" einrichten müssen: der in Berlin gescheiterte Dozent, der in seine hessische Heimat zurückkehrt, ebenso wie die geschiedene Mittvierzigerin mit pubertierendem Sohn. Die Konstruktion des Romans - er erzählt nur von den alle sieben Jahre stattfindenden Grenzgang-Festen, - nennt Knipphals vorsichtig "interessant". Aber wenn Thome die Provinz als Entlastung beschreibt, dann hat er den Rezensenten: "In Bergenstadt", zitiert Knipphals, "machte man nicht das Beste aus seinem Leben."

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Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 10.10.2009

Den "Grenzgang", von dem dieser Roman erzählt, gibt es im Heimatort seines Verfassers tatsächlich. Alle sieben Jahre findet dieses Volksfest statt, bei dem Bewohner von Bergenstadt (im richtigen Leben: Biedenkopf nahe Marburg) rituell die alten Grenzen des Orts abschreiten. Faszinierend findet es der Rezensent Lothar Müller nun, wie Stephan Thome in seinem Erstling anhand der "dichten Beschreibung" des Rituals einen sehr genauen Blick auf dieses Dorf und seine Bewohner zu werfen verstehe; im Zentrum steht ein gescheiterter Akademiker, der als Lehrer in sein Dorf zurückkehrt - aber es geht Thome auch darum, viele andere Figuren möglichst präzise zu erfassen, meint Müller. In der Vermischung der Zeitebenen, nämlich der Beobachtung dreier Grenzgänge (1992, 1999, 2006) entsteht, so Müller, ein geradezu "seismografisch" genaues Porträt des durchaus alltäglichen Unglücks in der Provinz. Der quasi-"ethnografische" Zugriff verdanke sich wohl auch der Tatsache, dass Thome seit einiger Zeit in Taipeh lebt und so naturgemäß in Distanz zur hessischen Heimat.

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Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 08.10.2009

Iris Radisch bespricht Stephan Thomes Roman "Grenzgang" zwar im Aufmacher der Zeit-Buchmessenbeilage, aber ein Lob möchte man diese Besprechung eigentlich nicht nennen. Zwar ist von der "unverbrauchten Frische die Rede", mit der Thome die Kleinbürger einer Provinzstadt beschreibt. Auch gibt Radisch zu, seit Martin Walser habe kein Autor mehr derart einfühlsam über den deutschen Mittelstand und seine "liebenswürdigen Begrenztheiten" geschrieben. Ist ja auch schön, mal nichts über Berliner Schriftsteller mit hm, existenziellen Problemen lesen zu müssen. Aber wenn sie die Anschaulichkeit lobt, mit der Thome die "Gefühlsbetäubung bundesdeutscher Wohlstandsprofiteure" beschreibt und man nicht mehr auseinanderhalten kann, ob sie mit dem "Kleinbürger" nun die Protagonisten meint oder den Autor, wird es doch leicht giftig. Der 40- bis 50-jährige bürgerliche Leser jedenfalls wird sich in diesem Roman wiedererkennen und ihn darum mögen: Der Rückzug aufs "geschmackvoll Spießige" ist ihm lieb und vertraut, glaubt Radisch, sich abgeklärt gebend. Man denkt an den "Zeit"-Leser und - staunt.

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Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 02.10.2009

So richtig pessimistisch, wie der Autor selbst es tut, kann Rezensent Martin Lüdke den Roman von Stephan Thome nicht finden. Immerhin hat das Buch über verpasste Chancen, über das Erodieren von Lebensentwürfen in der bundesdeutschen Provinz "eine Art" Happy End. Gut gefallen haben dem Rezensenten die Souveränität des Autors, die stets passende Tonart, wenn Thome Lebensgeschichten fern von Himmel und Hölle erzählt, einfach als Normalität. Trotz fehlender Chronologie entsteht vor den Augen des Rezensenten im Springen zwischen den Zeiten ein dichtes Gewebe, ein umfangreicher Roman, der "fesselnd" bleibt bis zum Schluss.

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Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 29.08.2009

Ein "außergewöhnliches Debüt" erblickt Rezensentin Sandra Kegel in Stephan Thomes Roman "Grenzgang". Selten scheint ihr derart faszinierend über das "schleichende Scheitern" im Leben erzählt worden zu sein wie in dieser in der hessischen Provinz angesiedelten Geschichte um einen Studienrat, der eigentlich Professor werden wollte, und eine geschiedene Theaterpädagogin, deren Pläne für ein eigenes Tanzstudio sich zerschlagen haben, und die sich stattdessen mit ihrem pubertierenden Sohn herumärgern und ihre demente Mutter pflegen muss. Das Thema des Romans - der Versuch, den Zwängen der eigenen Biografie zu entkommen - mag nicht wirklich neu sein, aber der Ton, den der Autor dafür findet, ist für Kegel "taufrisch". Sie lobt zudem die gekonnte, spannende literarische Montage des Romans, der über einen Zeitraum von 28 Jahren stets nur das schildert, was sich an den drei Tagen des sogenannten Grenzgangs-Festes ereignet, das alle sieben Jahre stattfindet und bei dem die Dorfbewohner tüchtig über die Stränge schlagen. Die Atmosphäre des fiktiven Dorfs findet Kegel "bezwingend realistisch" geschildert, was sie auch darauf zurückführt, dass der Heimatort des inzwischen in Taiwan lebenden Autors dafür die Vorlage abgab. Ihr Fazit: ein "fulminanter" Erstling.

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