Er habe es geradezu "abscheulich" gefunden, schreibt Goethe in "Dichtung und Wahrheit", seine Poesien "gegen Geld umzutauschen". Diese Selbstdarstellung steht in krassem Widerspruch zu seinem tatsächlichen und später so erfolgreichen merkantilen Durchsetzungswillen. Jochen Klauß veranschaulicht die materielle Basis für Goethes Werke, sein Vermögen, seine Ausgaben im Haushalt und auf Reisen, Honorare und andere Einkünfte. Und auch in Goethes Werk spiegelt sich das Verhältnis des Dichters zum Geld wider.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 20.08.2009
Fasziniert zeigt sich Rezensent Gustav Seibt von Jochen Klauß' Studie über die Finanzen Goethes, der auch in monetärer Hinsicht reich gesegnet war. Auf Autorenhonorare war der Dichter, der über ein stattliches Vermögen verfügte und zu den höchstbezahlten Beamten im Herzogtum Weimar zählte, nie angewiesen. Selten ist für ihn die Sozialgeschichte deutscher Literatur derart gut durchleuchtet worden wie hier von Klauß, vom Geldwesen des 18. Jahrhunderts bis zu den Kosten für Ärzte und Medizin. Besonders hebt Seibt den Vorschusspoker beim buchhändlerischen Großprojekt um Goethes Lebenswerk hervor. Die Darstellung zeichnet sich für ihn auch dadurch aus, dass sie Licht auf Goethes Charakter wirft, einen "realistischen, die Welt klar einschätzenden Kopf, dem die zeittypische Spekulationswut und Projektemacherei tief suspekt war". Etwas schade findet Seibt nur, dass Klauß sein Wissen nicht auch dazu nutzt, Goethes Denken zum Geldwesen näher zu beschreiben.
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