Bücherschau der Woche
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Aus dem Archiv
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Kommentierte Linkliste zu internationalen Zeitungen, Zeitschriften und Verlagen.
Klappentext
Aus dem Norwegischen von Ina Kronenberger. Als Arvids Mutter im November 1989 erfährt, dass sie Krebs hat, beschließt sie, noch einmal ein paar Tage in der Heimat, in ihrem Sommerhaus auf Jütland zu verbringen. Weder ihren Mann noch die erwachsenen Söhne will sie in Dänemark dabeihaben. Doch Arvid, der schon immer das Sorgenkind der Mutter gewesen ist und nun vor der Scheidung steht, reist ihr Hals über Kopf nach. In raffinierten Rückblenden erzählt der in Norwegen mehrfach ausgezeichnete Roman eine Geschichte von Mutter und Sohn, Alter und Jugend, Kränkungen und nachgetragener Liebe.
BuchLink. In Kooperation mit den Verlagen (Info):
Ich verfluche den Fluss der Zeit - Auszug aus Per Pettersons Roman bei Hanser
Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 15.10.2009
Still und eindringlich wie die früheren Bücher findet Rezensentin Bernadette Conrad auch diesen ebenso "wortkargen" wie "zärtlichen" Roman des norwegischen Schriftstellers über einen Sohn, der das Sterben seiner Mutter erlebt. Trotzdem wundert sich die Kritikerin, wie oft sie das Lesen unterbrechen musste: als "könne dieser Roman nur in kleinen Portionen gelesen werden". Gleichwohl sei er eine verlässliche Kraftnahrung, wie sie schreibt. Sie zeigt sich beeindruckt, wie hier die Geschichte des erzählenden Sohnes mit der der Mutter verhakt wird, sich die Zeitschichten in diesem unerhört gut gebauten Roman (dessen Architektur man jedoch nicht bemerke) durchdringen: "in komplexer Ordnung und allergrößter Einfachheit".
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Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 22.08.2009
Hoffnungsfroh waren die Bücher von Per Petterson noch nie, meint Rezensent Peter Urban-Halle. Dies aber ist sein bisher düsterstes. Und, fügt Urban-Halle hinzu, auch sein bestes. Zwei Protagonisten hat der Roman: Einen jungen Mann, gerade in Scheidung von seiner Jugendliebe befindlich. Und dessen Mutter, kurz vor ihrem fünfzigsten Geburtstag an Magenkrebs erkrankt. Als sinnlos erfährt Arvid, der Sohn, seine Existenz, was nicht besser wird dadurch, dass er das meiste nur noch als Wiederholung erlebt. Zeithintergrund ist das Jahr 1989 mit Mauerfall, aber davon werden die Figuren so gut wie gar nicht tangiert. "Groß" findet der Rezensent diesen Roman, den er als "hoffnungslos, aber nie eisig" beschreibt, weil man darin einen einzigartigen Blick auf die menschliche Existenz bekommt, ohne dass die Figuren dabei "seziert" werden müssten.
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Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 18.08.2009
Sehr beeindruckt schreibt Rezensent Christoph Schröder über Per Pettersons "Ich verfluche den Fluss der Zeit", der zeitlich vor Pettersons vorigem Roman "Im Kielwasser" angesiedelt ist. Hier lebt die Mutter des Erzählers Arvid noch, ist jedoch gerade mit Magenkrebs diagnostiziert worden. Arvid reist ihr hinterher, um, wie der Rezensent beschreibt, ihr einmal mehr seine Liebe hinterher zu tragen. Schröder hat den Roman nicht nur als ein Buch über die vergebliche Liebe zu einer kalten Mutter gelesen, sondern auch über den "Sprung im Charakter", über die "erschütternde Zwangsläufigkeit", mit der das Leben verrinnt, ein verfehltes zumal. Gesprochen wird kaum in diesem Roman, warnt der Rezensent noch, doch Trauer und Verlorenheit sind immer präsent.
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Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 13.08.2009
Angetan zeigt sich Rezensent Christoph Bartmann von Per Pettersons neuem Roman "Ich verfluche den Fluss der Zeit", in dem wieder der wortkarge Arvid Jansen im Mittelpunkt steht. Dass die Sprache des Autors stark an Hemingway und Raymond Carver erinnert, wundert ihn nicht. Er hebt indes hervor, dass die lakonische Art des Erzählens bei Petterson keineswegs dazu dient, "erzählerische Nulllösungen stilistisch zu adeln". Schließlich habe der Autor wirklich eine Geschichte zu erzählen. Für Bartmann ist es eine Geschichte über "gewöhnliche Menschen" in "außergewöhnlichen" Situationen, in denen ihnen die Sprache fehle, eine Geschichte über die Beziehung Arvid Jansens, der von seiner Frau geschieden wird, zu seiner Mutter, die an Krebs erkrankt ist und bald sterben wird. In den Gesprächen der beiden Figuren kommt für Bartmann ihre Sprachlosigkeit im Umgang miteinander zum Vorschein. Zugleich bescheinigt er ihnen eine "diffuse Lebenssehnsucht", die in Pettersons Sprache ihren "idealen Ort" gefunden habe.
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Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 11.08.2009
Viel Zeit nimmt sich Rezensent Andreas Breitenstein, um seiner Begeisterung über Per Pettersons Roman "Ich verfluche den Fluss der Zeit" Ausdruck zu verleihen. Sehr ausführlich gibt der Rezensent die Handlung wieder - ein Mann reist seiner an Krebs erkrankten Mutter in ihre Heimat Jütland nach. Dort angekommen erleben sie eine gefühlsreiche, intensive Zeit in einem Sommerhaus. Beim Lesen des Romans fühlt sich Breitenstein motivisch an Pettersons vorherigen Roman "Im Kielwasser" erinnert. Sehr beeindruckt ist der Rezensent von dem "peinvollen Ballett" der Emotionalität und den menschlichen Grauzonen, die Petterson in "kunstvollen Rückblenden" arrangiere. "Magisch aufleuchten" sah er gar das "dunkle Geheimnis der Existenz". Ebenso begeistert ist der Rezensent von der handwerklichen Umsetzung, ihn fesselten gerade die Stellen, an denen die Protagonisten schweigen, und Petterson durch seinen individuellen Erzählstil spricht. Abschließend lobt Breitenstein auch die Arbeit der Übersetzerin Ina Kronenberger.
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