Bücherschau der Woche
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Klappentext
Ein Schwimmbad mitten im Prenzlauer Berg ist geschlossen worden. Es verrottet langsam, aber durch seine Gänge streift noch jemand ruhelos, der dort sein ganzes Berufsleben verbracht hat: ein ehemaliger Bademeister. Arbeitslos geworden, mag er nicht begreifen, dass mit der Schließung alles zu Ende und dem Verfall preisgegeben sein soll. Bald verlässt er das Bad nicht einmal mehr, um zu Hause zu übernachten. Assoziationsreich spricht er mit sich selbst oder imaginierten Zuhörern. In Bruchstücken, die sich erst nach und nach zu einem Bild fügen, erfährt man so die Lebensgeschichte des Bademeisters. Dass ihm etwa ein Studium verwehrt blieb, hat auf eine dunkle Weise mit Verfehlungen des Vaters zu tun. Weitere Geschichten gewinnen Kontur: Der Vorgänger des Bademeisters war während des Dienstes von zwei Männern abgeholt worden und nie wieder aufgetaucht, das Bad in den Jahren des Nationalsozialismus zu Zwecken benutzt worden, über die niemand zu sprechen wagte. Immer neu nimmt der Erzähler Anlauf, um sich seiner selbst zu vergewissern.
Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 06.12.2000
Völlig begeistert ist Verena Auffermann von diesem Debütroman, in dem ein Bademeister in einem großen Monolog über sein Leben erzählt. In der Geschichte des Protagonisten, die gleichzeitig ein Stück Zeitgeschichte ist, denn sie erzählt genauso von der Nazivergangenheit seines Vaters wie dem Leben in der abgewickelten DDR, lobt die Rezensentin die "Ökonomie des Erzählens", die bei allem "Mut zur Wiederholung" kein Wort zuviel verliert. Der sachliche Ton und die große Ruhe der Erzählweise haben es ihr angetan und sie preist das Buch als "klugen, guten Roman", der es "in sich hat".
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Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 25.11.2000
Das Schwimmbad am Prenzlauer Berg gibt es tatsächlich, die Geschichte des Bademeister Bruno, der dort sein Leben lang gearbeitet hat und der nach der Wende, als die Baufälligkeit des alten Gebäudes erwiesen wurde, früh pensioniert wurde, ist eine Fiktion. Maike Albath charakterisiert das Buch als die Geschichte eines Menschen, "der aussortiert wurde", eine Geschichte, "wie sie sich nach 1989 tausendfach abgespielt haben mag", es sei somit auch eine soziale Bestandsaufnahme, ein Stimmungsbericht. Die sprachliche Gestaltung findet die Rezensentin gelungen. Sie bezeichnet den Stil als einfach, klar und karg, "in dieser Kargheit oft suggestiv und poetisch". An manchen Stellen werde der Roman durch die konsequente Einhaltung der Ich-Perspektive und die Dominanz des Gleichförmigen jedoch auch zäh. Dies, so erklärt die Rezensentin, sei jedoch der Preis für das geschlossene System und die sprachliche Umsetzung der inneren Erstarrung.
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Rezensionsnotiz zu Die Tageszeitung, 24.10.2000
Werner Jung gefällt Hackers Erstling, der von einem alten `Bademeister` eines baufälligen Berliner Stadtbades handelt. Dieser hat sich dort im Keller eingeschlossen und hält eine `endlose Selbstansprache` im Bemühen für und gegen das Vergehen der Zeit. Denn einerseits will die Zeit des Wartens nicht vergehen, erklärt Jung, andererseits ist die Zeit abgelaufen, und ihre Spur aufzunehmen, ist so schwierig wie Spurensuche im Wasser zu betreiben: ein flüchtiges Element eben. Jung erkennt formal Spuren von Thomas Bernhard und Gerhard Köpf bei Hacker. Er bescheinigt ihrem Buch `atmosphärische Dichte`, die sich für ihn in einem mäandernden, leicht redundanten Stil formuliert, sowie eine `oszillierende Mehr- und Vieldeutigkeit`, in der auch eine politische wie eine philosophische Dimension Unterschlupf finden. Klingt etwas aufgesetzt! So wird `wortreich eine Leerstelle` umschrieben, die Jung zum `Riss in der Geschichte` erklärt.
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Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 19.10.2000
Hajo Steinert ist sehr angetan von diesem Roman. Die Autorin beweise mit dem monologisierenden Protagonisten, der sich fast durch das ganze Buch an einem einzigen Ort aufhält, Konsequenz und erreiche damit große "atmosphärische Dichte", lobt der Rezensent. Er findet in dem Bademeister eine überzeugende "Charakterstudie", die er als "glaubwürdige Einsamkeitsfigur" preist. Die Autorin hat wie der Rezensent betont, genau recherchiert und ihre Figur mit großer "Detailfülle" ausgestattet. Indem die Autorin immer wieder subtile Hinweisen auf die Zeitgeschichte gebe, sei es auf Nazideutschland oder DDR, gehe der Roman über die enge Welt des Bademeisters hinaus, so der Rezensent zustimmend. Er attestiert dem Buch große Sogwirkung, die den Leser "nicht kalt" lasse und empfiehlt ein Handtuch bei der Lektüre, so suggestiv seien die Schilderungen.
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Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 14.09.2000
Rezensentin Beatrix Langner lobt diese Geschichte vom geistigen Verfall eines sozialistischen Bademeisters, anerkennt den Versuch, "Sprache als Ereignis" zu inszenieren und findet, dass es sich um einen "Monolog von beklemmender Intensität" handelt. Ein Problem hat sie aber doch: das sprachlich Selbstreferenzielle und der angezielte Beschreibungsrealismus scheren ihrer Meinung nach immer wieder auseinander, der Hauptfigur wird zuviel "Autorstimme" aufgebürdet. Dennoch: die "Ambivalenz von Befreiung und Selbstzerstörung" stelle die Autorin auf beeindruckende Weise dar.
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