2 CDs mit 128 Minuten Laufzeit. Gelesen von Jörg Hube. In "Wir sind Gefangene" stolpert der junge Oskar Maria Graf, wie ein bayerischer Candide frisch vom Land kommend, durch die Großstadt München, lebt ein Leben auf Pump, verdingt sich als Gelegenheitsarbeiter, begegnet den Wortführern und Musen der Schwabinger Boheme ebenso wie den anarchistischen Kreisen um Erich Mühsam und Gustav Landauer und wächst so auf Umwegen zum Künstler und Autor heran. Mit Beginn des Ersten Weltkriegs als Soldat zum Militär eingezogen, verweigert er offen den Befehl und wird, in einer militarisierten Welt folgerichtig, schließlich ins Irrenhaus eingeliefert.
Rezensent Wilhelm Trapp verneigt sich vor dem im Juni 2009 zu früh verstorbenen Schauspieler Jörg Hube, dessen Lesungen er als sein künstlerisches Vermächtnis bezeichnet. Dazu gehört aus seiner Sicht auch Hubes "einmalige" Einlesung von Oskar Maria Grafs Jugenderinnerungen. Denn darin gebe Hube sich Grafs "barocken Temperamentswechseln von Grübelei und Hitzigkeit" seelisch so anverwandt, dass Trapp den Eindruck hat, keiner Lesung von Literatur, sondern einem Menschen zu lauschen, "der schildert, sinnt, sich erinnert". Hube lese hier, wie er auch Theater gespielt habe, wo er seine Rollen stets bis zum Bersten ausgefüllt habe.
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