Aus dem Englischen von Annemarie Hafner. Früh von der Mutter verlassen, wächst Baby Halder in armen und zerrütteten familiären Verhältnissen auf. Mit dreizehn Jahren muss sie einen doppelt so alten Mann heiraten. Mit vierzehn - selbst noch ein Kind - wird sie zum ersten Mal Mutter. Ihr Ehemann behandelt sie schlecht und schlägt sie. Baby Halder entschließt, sich von ihrem Mann zu trennen. Sie geht nach Delhi und sorgt als Dienstmädchen für ihren Lebensunterhalt und den ihrer Kinder. Obwohl sie nur wenige Jahre selbst zur Schule gegangen ist, findet sie Freude am Schreiben - ermutigt durch ihren Dienstherrn, der ihr schriftstellerisches Talent entdeckt.
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 04.07.2009
Kurz, aber durchaus mit Emphase empfiehlt die Literaturwissenschaftlerin Claudia Wenner diese Erinnerungen eines bengalischen Dienstmädchens, das es nach Delhi verschlagen hat: Es handelt sich tatsächlich um ein autobiografisches Werk betont Wenner, die das Buch zusammen mit mehreren anderen sozialkritischen Romanen aus Indien bespricht. Alles Romaneske geht ihm ab, obwohl die Geschichte der Autorin durchaus märchenhafte Züge hat: Ausgebeutet, mit 13 Jahren Mutter, zieht sie als Dienstmädchen sozusagen das große Los und gerät an ihren Mentor Prabodh Kumar, in dessen Haus sie bis heute lebt. Kumar, Enkel eines berühmten Hindischriftstellers, ermutigt sie zur Aufzeichnung ihrer Erinnerungen und redigiert ihr Manuskript. Die Nüchternheit hat er ihren Aufzeichnungen nicht genommen. Wenner nennt Halders Erinnerungen "tonlos, je schmerzlicher" sie sind, ist aber umso beeindruckter über diesen ungewöhnlichen Einblick in ein gewöhnliches indisches Leben.
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