Bücherschau der Woche
Hatten Sie in den letzten Tagen keine Zeit, die Zeitung zu lesen oder bei uns vorbeizuschauen ? Macht nichts, denn hier können Sie unsere Rezensionsnotizen der letzten sechs Erscheinungstage nach Zeitung oder Themen sortiert abfragen.
Literaturbeilagen
All unsere Notizen zu den Buchkritiken in den Literaturbeilagen von FAZ, FR, NZZ, SZ, taz und Zeit.
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Aus dem Archiv
- Debatte "Islam in Europa": Mit Beiträgen von Pascal Bruckner, Ian Buruma, Necla Kelek, Lars Gustafsson, Adam Krzeminski, Bassam Tibi u.a.
- Der dänischer Karikaturenstreit: Eine europäische Presseschau
- Die Walser-Affäre: Der Streit um Martin Walsers Roman "Tod eines Kritikers"
- Der 11.September: Eine Presseschau
- Fallende Blätter: Zur Lage des Feuilletons heute
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Kommentierte Linkliste zu internationalen Zeitungen, Zeitschriften und Verlagen.
Klappentext
Aus dem Französischen von Ulrich Zieger. Dies ist die Geschichte des Deutschen Hans Schiller und seiner beiden Söhne Rachel und Malrich. Die Brüder wuchsen fernab der Eltern in der Pariser Banlieu auf. Sie sind in Frankreich geblieben. Rachel hat Karriere gemacht: er hat einen guten Job, ein kleines Häuschen, ein Auto, eine Frau - und die französische Staatsangehörigkeit. Sein jüngerer Bruder Malrich steht am Rande der Gesellschaft: ohne Ausbildung, ohne Job und ohne Perspektive lebt er als Mitglied seiner multikulturellen Clique in der Vorstadt. Als die Eltern der beiden im fernen Algerien auf grausame Weise bei einem Attentat der Islamisten umgebracht werden, gerät das Leben der Brüder aus dem Lot. Die Trauer um die Eltern bringt zugleich eine erschütternde Erkenntnis zu Tage: Der Vater, den sie bisher als einen vielgeachteten Held des algerischen Unabhängigkeitskampfes kannten, hat eine unerträgliche Vergangenheit ... Rachel zerbricht daran; Malrichs Versuch zu verstehen, führt ihn von der Nazi-Vergangenheit seines Vaters in die Abgründe der Gegenwart.
Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 13.04.2010
Aufschlussreich, spannend und lesenswert findet Joseph Hanimann diesen Roman von Boualem Sansal. Kein Wunder, bietet der Text doch ausreichend Material für historische Spurensuchen. Dass Sansals Buch in die Kategorie Väter-Söhne-Literatur fällt, mit Stereotypen arbeitet und seine "zweistimmige diarische" Komposition dem Rezensenten mitunter allzu fadenscheinig erscheint, kann den Reiz der Lektüre für Hanimann schlimmstenfalls schmälern. Wie Sansal den algerischen Bürgerkrieg, den Alltag in der französischen Banlieue und die Konfrontation eines Arabers mit der Shoah miteinander verknüpft und seine Geschichte um einen wahren Kern herum konstruiert, hat Hanimann nachhaltig beeindruckt.
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Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 12.11.2009
Politisch kompromisslos und vielschichtig findet Rezensent Karl-Markus Gauß diesen erschütternden Roman, der die Geschichte eines Mordes an einem deutschen Flüchtling und seiner algerischen Frau in den 90er Jahren erzählt. Dieser Deutsche war, das ergibt Gauß zufolge die Recherche seiner Söhne nach dem Mord, wohl ein deutscher Kriegsverbrecher. Was das Buch für Gauß zum Ereignis macht (seinen Informationen zufolge durfte der Roman in Algerien nicht erscheinen und löste in Frankreich eine heftige Debatte aus), ist die Tatsache, dass Boualem Sansai die Geschichte aus der Perspektive eines algerischen Intellektuellen erzählt und dabei eine beklemmende Familiengeschichte zwischen Nationalsozialismus und Islamismus entwickelt. Es komme nicht nur ein Holocaust-leugnender Iman vor, sondern auch die Frage, wie die algerische Befreiungsbewegung so herunterkommen konnte.
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Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 04.08.2009
Claudia Kramatschek ist sehr begeistert von diesem "sprachlich eleganten" und "inhaltlich verstörenden" Roman, in dem der algerische Schriftsteller Boualem Sansal historische Parallelen zwischen dem Nationalsozialismus und dem heutigen Islamismus zieht. Dass Sansal aufgrund seiner moralischen und kritischen Haltung als "persona non grata" gilt und seine Bücher in Algerien auf der schwarzen Liste stehen, verwundert die Rezensentin da nicht sonderlich. In seinem neuesten Werk "Das Dorf des Deutschen" erzählt der Autor von zwei algerischen Brüdern, die nach dem Tod des Vaters auf dessen Vergangenheit im Dritten Reich stoßen. In diese fiktive Rahmenhandlung baut Sansal "beunruhigende Fakten" des algerischen Unabhängigkeitskampfes und der Shoah mit ein. Dass dabei nicht das Regime, sondern die schweigende Bevölkerung das eigentliche Problem der historischen Vergangenheit darstellt, kann Sansal nach Meinung Kramatscheks sehr deutlich herausarbeiten. Die Rezensentin schätzt die "brisanten" und "gewagten" Ausflüge in die jüngste Vergangenheit und wünscht dem leidenschaftlichen Schriftsteller mit diesem Buch den ihrer Meinung nach verdienten Erfolg.
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Rezensionsnotiz zu Die Tageszeitung, 06.06.2009
Dieser Autor weiß, wovon er schreibt, versichert uns der Rezensent Reiner Wandler. Weil Boualem Sansal in Algerien lebt und arbeitet, räumt ihm Reiner Wandler Glaubwürdigkeit ein. Weil Sansal als Araber über den Holocaust schreibt und überdies Parallelen zieht zwischen der Mentalität der Nazis und der radikaler Islamisten, attestiert Wandler ihm Mut. Weil der tabubrecherische Text gelingt und die Geschichte der algerischstämmigen Brüder Rachel und Malrich auf Spurensuche nach der Schuld des Nazi-Vaters das gefährliche Spiel des arabischen Nationalismus mit Nazismus und Judenhass zu vergegenwärtigen vermag, nennt Wandler den Autor einen geschickten Erzähler.
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