Bücherschau der Woche
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Aus dem Archiv
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- Fallende Blätter: Zur Lage des Feuilletons heute
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Klappentext
Dieses Buch unternimmt ein Experiment: Wie im Labor werden zwei der aggressivsten "Säuren" moderner Theoriebildung in eine Schale gegossen, um dann zu beobachten, wie sich das Gemisch verhält. Charles Darwin und Michel Foucault stehen beide für ein Denken, das in radikaler Weise mit Traditionen bricht und den Unterschied zwischen Natur und Kultur ebenso in Frage stellt wie das angebliche Wesen der Dinge: Alles verflüssigt sich unter ihrem genealogischen, auf die Herkunft von älteren Formen achtenden Blick und verrät so, dass die Dinge "keine Identität" und "kein Wesen" haben bzw. dass die Vorstellung von einer stabilen Ordnung der Natur sinnlos ist. Sowohl Darwin als auch Foucault stehen damit für eine Spielart des historischen Denkens, die - so die These dieses Buches - die bequemen, stabilen Gewissheiten des Biologismus einerseits und des Kulturalismus andererseits unterminiert. Es zeigt sich, dass Darwin die Natur in paradoxer Weise als das Historische per se versteht, während Foucault wie selbstverständlich die scheinbar unüberwindliche Schranke zwischen Natur und Kultur unterläuft.
Rezensionsnotiz zu Die Tageszeitung, 24.06.2009
Sehr eingenommen zeigt sich Stefan Niklas von Philipp Sarasins 400-seitigen Essay über Darwin und Foucault. Das Buch des Zürcher Historikers bringt für ihn auf höchst anregende Weise diese beiden Denker zusammen und fördert immer wieder Überraschungen zutage. Dabei hebt Niklas hervor, dass es Sarasin nicht um Einflüsse Darwins auf Foucault oder um die Lektüre Darwins durch die Brille Foucaults gehe, sondern um "Wahlverwandschaften" der Denkweisen. Dass Darwin und Foucault für den Gegensatz von Biologismus und Kulturalismus stehen, kann Sarasin seines Erachtens überzeugend entkräften. Dem Autor gelingt es nach Ansicht von Niklas auch, durch Gegenüberstellung beider Denkmodelle viele Ähnlichkeiten herausarbeiten: Beide waren Nominalisten, beide suchten Genealogien, beide entdeckten nicht nur eine, sondern viele Herkünfte.
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Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 19.03.2009
Philip Sarasin schickt sich in seinem Buch "Darwin und Foucault" an, die unverständlichen Passagen in Michel Foucaults Werk mit einem Rückgriff auf Charles Darwins Artenlehre zu beleuchten, stellt Jan Füchtjohann durchaus interessiert fest. Darwin wie auch der französische Philosoph hätten in ihrem Denken einen "radikal antimetaphysischen" Ansatz gehabt, was sie beide zwangsläufig zur Genealogie habe bringen müssen, argumentiert der Schweizer Historiker in seinen, wie der Rezensent findet, durchaus "gelehrten" Ausführungen. Dass der Rezensent trotzdem mit diesem Buch nicht recht zufrieden ist, liegt daran, dass nichts von der Sprengkraft zu spüren ist, die Darwins und Foucaults Theorien gleichermaßen in ihrer Zeit gehabt haben: Was jeweils einem "Säureattentat" gleichgekommen ist, liest sich bei Sarasin entschieden zu harmonisch, beschwert sich Füchtjohann.
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Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 05.03.2009
Beeindruckt ist Petra Gehring von Philipp Sarasins Werk über Darwin und Foucault, auch wenn sie mit dem Wissenschaftshistoriker nicht immer einer Meinung ist. Mit Lob bedenkt sie die Komposition des Buchs, das die Werke Darwins und Foucaults ausgehend vom Gedanken der Genealogie entlang ihres jeweiligen Zugriffs auf ihre Gegenstandsbereiche sichtet. Dabei findet sie jede Menge erhellende Einsichten und staunt über die "Fülle von Assoziationen", die der Autor bei seiner Konfrontation der beiden Ansätze ausschüttet. Manches allerdings scheint ihr fragwürdig, etwa wenn Sarasin den Darwin'schen "struggle for existence" mit Nietzsches und Foucaults Machttheorie parallel setzt.
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