Bücherschau der Woche
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Kommentierte Linkliste zu internationalen Zeitungen, Zeitschriften und Verlagen.
Klappentext
Aus dem Amerikanischen von Rudolf Hermstein. Mit Fotografien von Velibor Bozovic. In seinem neuen Roman folgt Aleksandar Hemon den Spuren eines ungelösten historischen Mordfalls. Dabei entdeckt sein Held Parallelen zwischen gestern und heute, begegnet einem verschollenen Freund und macht sich auf die Suche nach den eigenen Wurzeln in einem fernen Land.
BuchLink. In Kooperation mit den Verlagen (Info):
Aleksandar Hemon: Lazarus - mehr Informationen und Leseprobe beim Knaus Verlag
Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 22.09.2009
Aleksandar Hemons in den USA bejubelter Roman "Lazarus" hat Ulrich Baron nicht für sich einnehmen können. Der 1964 in Sarajewo geborene und seit dem Bosnienkrieg in den USA lebende Autor verknüpft darin zwei Zeit- und Handlungsebenen: Er erzählt von dem vor den Pogromen aus seiner osteuropäischen Heimat geflohenen Juden Lazarus Averbuch, der 1908 vom Polizeipräsidenten von Chicago als vermeintlicher Anarchist erschossen wird, und von dem in den USA lebenden Bosnier Vladimir Brik, der, um Averbuchs Geschichte für einen Roman zu recherchieren, in die Ukraine und nach Bosnien reist. Den Rezensenten stört die Uneinheitlichkeit der Konstruktion und findet, dass die Verknüpfung der beiden Handlungsstränge an vielen Stellen sehr bemüht wirkt. Des Öfteren werde mit dem "Zaunpfahl" gewunken, etwa, wenn in beiden Zeitebenen des Romans ein Reporter namens Miller auftrete oder ein Barkeeper mit Namen "Bruno Schultz" auftauche, ohne dass damit ein Erkenntnisgewinn zu verbuchen wäre, beschwert sich Baron. Am schwersten aber wiegt in seinen Augen, dass die Erzählung um den Schriftsteller Brik für sich genommen nicht wirklich "trägt" und dessen Geschichte im Gegensatz zu Lazarus? Schicksal insgesamt blass bleibe.
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Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 25.05.2009
Dass der nach Amerika emigrierte bosnische Held in Alexander Hermons Roman keine Lust auf den Materialismus seiner neuen Heimat hat und sich lieber auf Spurensuche in seine alte Heimat begibt, kann Eva Corino gut verstehen. Ebenso einleuchtend findet sie den Erfolg dieses von der "großen" Wahrnehmungsfähigkeit und der Erzählgabe seines Autors lebenden "Anti-Integrations-Romans". Für Corino gehört es in die Reihe derjenigen Bücher, die einen Kulturschock antizipieren, wie ihn immer mehr Menschen in der Migration erfahren. Darüber hinaus ist der Text für sie von hoher literarischer Qualität: stoff-, bilder- und figurenreich, "genialisch", aufregend. Als schwach dagegen empfindet die Rezensentin mitunter die innertextuelle Integrationsgüte. Die vielen verschiedenen Handlungsstränge (Lazarushandlung, Osteuropaodyssee, Geschichte einer "scheiternden interkulturellen Ehe") scheinen ihr manchmal nicht zueinander zu finden.
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Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 21.02.2009
Die Zeiten, die Stile, die Kriege, die Konflikte bringt Aleksandar Hemon in diesem Roman miteinander ins Gespräch. Auf der einen Ebene geht es nämlich um den Fall eines zu Unrecht getöteten osteuropäischen Immigranten in die USA mit Namen Lazarus Averbuch, der verdächtig war, ein Bombenattentäter zu sein. Und auf der zweiten, der Gegenwartsebene, setzt sich ein Möchtegern-Schriftsteller namens Vladimir Brik, der vom Balkan nach Amerika kommt, auf die Spur des vergessenen Lazarus. Der Weg in die Vergangenheit führt dann aber auch nach Sarajewo zurück und Hemon, der den Weg von Osten nach Westen mit seinen beiden Figuren teilt, versteht davon, so der Rezensent Martin Halter, äußert virtuos zu erzählen. In durchaus unterschiedlichen Tönen, mal "nüchtern dokumentarisch", mal fabulatorisch. So entstehe ein außerordentlich vielschichtiges Porträt, mit dem dem Autor völlig zu Recht, findet Halter, in den USA der Durchbruch gelang.
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Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 17.02.2009
Dass der 1964 in Sarajevo geborene, seit 1992 in den USA lebende Aleksandar Hemon in Amerika als "Genie" Nabokov'schen Zuschnitts gefeiert wird, findet Andreas Breitenstein völlig angemessen. Da der Rezensent der Meinung ist, dass Hemons Romane "Die Sache mit Bruno" und "Nowhere Man" nicht die verdiente Aufmerksamkeit bekommen haben, hofft er, dass sich das mit dem vorliegenden Buch ändert. Denn das hält Breitenstein für nicht weniger als brillant. Was ihm diesen Roman so fesselnd macht, ist nicht zuletzt die Verschränkung der Identitäten vom 1908 als angeblicher Anarchist umgebrachten ostjüdischen Lazarus Averbuch, dem bosnischstämmigen Schriftsteller Vladimir Brik und der biblischen Lazarus-Figur, wie er erklärt. Wenn Hemon allerdings die Anarchisten-Hysterie vom Anfang des letzten Jahrhunderts mit dem amerikanischen "Kampf gegen den Terror" seit den Anschlägen von 2001 kurzschließt, ist das dem Rezensenten dann doch etwas zu plump und wenig ergiebig. Das aber bleibt der einzige Kritikpunkt an diesem Roman, der mit Briks Reise ins Nachkriegssarajevo auch so etwas wie die Erfüllung des "Traums von der unmöglichen Rückkehr" darstellt, wie Breitenstein meint.
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