Aus dem Hebräischen von Vera Loos und Naomi Nir-Bleimling. Wiedersehen mit dem Vater. Me'ir, ein Junggeselle mit Bindungsangst und vielversprechender Jungautor mit gegenwärtiger Schreibblockade, setzt die Bruchstücke seiner Erinnerung beharrlich zusammen - zu einem herzergreifenden Lebensbild, dem er sich nur auf eine Art stellen kann: indem er schreibt. Me'ir war sieben, als er seinem Vater in Tel Aviv Lebwohl sagte, um nach Manhattan zu fliegen und fortan bei seiner Mutter zu leben. Jahrelang war er sicher, der Vater sei tot. Und er ist dreißig, als die Mutter ihm eröffnet, dass der Vater noch lebt und ihn noch einmal sehen möchte, bevor er stirbt. Vage Kindheitserinnerungen überfluten Me'ir - an das Vagabundenleben mit dem Vater, die nächtlichen Schreie des Onkels, der das Lager überlebt hat, das allabendliche Warten gegenüber dem Cafe, bis der Vater, ein erfolgloser Dichter, einen Schlafplatz für sie beide aufgetan hatte. Dieser Vater, der trotz aller Armut eines vermochte, Frauen für sich zu gewinnen.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 13.02.2009
Judith Leister hat das Buch als Versuch gelesen, das Fortwirken der Vergangenheit zu verstehen. Der Blick zurück auf eine verlorene Kindheit zwischen Manhattan und Tel Aviv holt die verdrängten Erinnerungen des Protagonisten zwar ans Licht, dort werden sie jedoch sogleich neu verhüllt. Leister beobachtet, wie Savyon Liebrecht die Psychologie seiner Figuren zwar freilegt, aber keine Lösung anbietet. Mutter, Vater, Sohn - die Rezensentin erkennt ihre Doppelrolle als Leidende und zugleich Agierende. Die Art und Weise, wie die Autorin dieses Drama angeht, erscheint Leister packend, wenngleich nicht immer stilsicher.
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