Herausgegeben von Johannes Hürter und Jürgen Zarusky. Bei der nationalsozialistischen Mordpolitik gegen die Juden kam es in allen Teilen des besetzten Europas zur unheilvollen Verknüpfung von Kollaboration und Völkermord. Auch ohne fremde Hilfe hätte die Shoah singuläre Dimensionen angenommen, doch erhöhten die Zuarbeit und Mithilfe einheimischer Bürokraten, Polizisten und antisemitischer Aktivisten die Effizienz der deutschen Täter. Nicht immer ging die Initiative vor Ort allein von den Deutschen aus. Die Kenntnis über diesen gewichtigen Aspekt der Holocaustgeschichte ist noch fragmentarisch, wird in jüngster Zeit aber durch neue Forschungen erheblich erweitert. Dieser Band führt exemplarische Länderstudien zusammen und richtet den Blick gleichermaßen auf den Westen wie den Osten Europas. Wassili Grossmans Reportage Ukraine ohne Juden aus dem Jahr 1943 ergänzt die Untersuchungen um ein eindrucksvolles Zeitzeugnis.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 07.02.2009
Rezensent Michael Wildt begrüßt diesen von Johannes Hürter und Jürgen Zarusky herausgegebenen Band, der Beiträge über Kollaboration bei der Judenverfolgung in Belgien, Holland, Litauen und Ungarn versammelt. Dass einheimische Polizei, Beamte und Eliten in den besetzten Gebieten bei der Verfolgung und Ermordung der Juden mit den Nazis oft bereitwillig zusammenarbeiteten, nennt er ein "heikles und lange Zeit verschwiegenes Kapitel des Holocaust". Um so wichtiger, dass es inzwischen erforscht wird. Hierzu leistet der vorliegende Band nach Ansicht Wildts einen bedeutenden Beiträg. Er berichtet, wie die Judenverfolgung in den Niederlanden, Belgien, Litauen und Ungarn ablief. Besonders weist er auf ein von Pavel Polian präsentiertes Dokument aus dem russischen Staatsarchiv hin, das verdeutlicht, dass die SS selbst die Sowjetunion eine Zeitlang als Partner bei der Judenverfolgung im Blick hatte. Außerdem hebt er die erstmals ins Deutsche übersetzte Reportage von Wassili Grossman über die "Ukraine ohne Juden" hervor, die in dem Band abgedruckt ist.
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