Michael Sollorz

Die Eignung

Roman
Cover: Die Eignung
MännerschwarmSkript Verlag, Hamburg 2008
ISBN 9783939542285
Gebunden, 158 Seiten, 16,80 EUR

Klappentext

Lars Hagner ist Hausmeister in einem Neubaugebiet im Osten Berlins. Mieter und Verwaltung schätzen den fleißigen Junggesellen. Nur Ljuba, die 13jährige Nachbarstochter, verfolgt ihn mit Argwohn. Ihr Misstrauen trifft ins Schwarze: Hagner führt ein Doppelleben. Als Handlanger und Vollstrecker dient er seinem einstigen Zugführer, Oberleutnant Bossert. Während seines Wehrdienstes bei der Bereitschaftspolizei wurde der asketische Offizier für den jungen Hagner zum leuchtenden Vorbild, dem er blind vertraut. Als Bossert ihn nach dem Ende der DDR auffordert, in einer konspirativ geführten Partisanenarmee für die gewaltsame Beseitigung des Kapitalismus zu kämpfen, ist Hagner mit fliegenden Fahnen dabei. Selbst als er mit Hinweisen konfrontiert wird, Bossert sei nur ein Krimineller, der ihn für seine Zwecke missbraucht, kann das seinen Glauben an die Bewegung nicht erschüttern.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 24.01.2009

Spannend wie einen Krimi und doch geprägt von einem großräumigen existenziellen Einschlag findet Rezensent Jürgen Verdofsky diesen Roman aus der "Ruine DDR", der, wie er schreibt, von zwei Eiferern handelt, die im Umfeld der Wende aus der Fasson geraten sind. Es gehe um einen Volkspolizisten, der kurz vor der Wende einen sowjetischen Deserteur erschießt, und seinen vorgesetzten Offizier. Wie beide sich nun auch nach der Wende zu dieser Tat verhalten, davon handele der Roman, in dessen Verlauf ein zutiefst von der Sinnlichkeit und Lebensklugheit dieser Prosa beeindruckter Rezensent auch die "nicht beherrschbaren Folgen ideologischer Teilwahrheiten" abgehandelt sieht. Denn während der eine, Hagner, in der neuen Gesellschaft die Orientierung verliere und der Verwahrlosung anheim falle, fasse Bossert, der andere, als Mitglied einer antikapitalistischen Untergrundarmee bald wieder Tritt und fange dort dann auch den verwahrlosten Hagner auf, der im Untergrund bald zum "Hausmeister der revolutionären Gewalt" avanciere. Fasziniert folgt der Rezensent dem Fortgang der Geschichte, in der er ideologische Täuschung erst in mörderischen Tugendterror und schließlich ins Verbrechen abgleiten sieht und bescheinigt dem Buch schließlich eine große Gültigkeit.
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